Was ist ein RMS? Revenue-Management-Systeme im Hotel einfach erklärt

Ein RMS schlägt Zimmerpreise auf Basis von Buchungsdaten vor. Was die Software kann und wann sie sich lohnt.

Von Michael Külbel 3 Min. Lesezeit

Grafik: Vier Datenquellen eines Revenue-Management-Systems: Buchungsstand, Buchungsverlauf früherer Jahre, Preise der Mitbewerber und Ereignisse wie Messen oder Ferien
Woraus ein Revenue-Management-System seine Preisempfehlungen ableitet, vereinfacht dargestellt. Grafik: eingecheckt.de · Hintergrundfoto: JIP, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Das Wichtigste in Kürze
  • RMS steht für Revenue-Management-System: eine Software, die Buchungsdaten auswertet und Zimmerpreise vorschlägt oder automatisch setzt.
  • Grundlage sind Prognosen aus Buchungsstand und Buchungsverlauf, oft ergänzt um Preise der Mitbewerber und Ereignisse wie Messen.
  • Revenue Management hat laut einer Einführung der Cornell University in vielen Hotels den Umsatz um 2 bis 5 Prozent erhöht. Ein RMS erledigt diese Arbeit schneller und regelmäßiger.
  • Ein RMS braucht saubere Daten aus dem PMS und klare Grenzen. Die Verantwortung für die Preise bleibt beim Hotel.

Wie viel soll das Doppelzimmer am zweiten Samstag im März kosten? Wer diese Frage für jeden Tag des Jahres und mehrere Zimmertypen beantworten muss, kommt mit Bauchgefühl schnell an Grenzen. Hier setzt ein Revenue-Management-System an.

Was ein RMS ist

Ein Revenue-Management-System, kurz RMS, ist eine Software für die Preissteuerung. Sie liest Reservierungen und Buchungsstände aus dem PMS, erkennt Muster und leitet daraus Preisempfehlungen ab. Je nach Einstellung schlägt das System Preise nur vor, die jemand im Hotel freigibt, oder es übermittelt sie automatisch über den Channel Manager an Website und Buchungsportale.

Wie ein RMS zu seinen Preisen kommt

Kern jedes RMS ist die Prognose. Chris Anderson und Sheryl Kimes von der Cornell University beschreiben das Prinzip: Buchungskurven zeigen, wie sich die Reservierungen für einen Anreisetag über die Wochen davor aufbauen. Hotels erstellen solche Kurven für jedes Gästesegment. Weicht der aktuelle Stand vom üblichen Verlauf ab, ändert sich die Erwartung für diesen Tag.¹

Aus der erwarteten Nachfrage leitet das System ab, welche Preisstufen geöffnet oder geschlossen werden. Viele Systeme berücksichtigen zusätzlich die Preise von Mitbewerbern, Ferientermine, Messen oder Veranstaltungen in der Stadt. Manche passen Preise mehrmals täglich an.

Was ein RMS bringen kann

Revenue Management hat laut Anderson und Kimes in vielen Hotels den Umsatz um 2 bis 5 Prozent erhöht. Weil Hotels hohe Fixkosten und vergleichsweise geringe variable Kosten haben, kommt ein großer Teil davon direkt im Ergebnis an.¹ Ein RMS erledigt diese Arbeit schneller und regelmäßiger, als es mit einer Tabelle möglich ist. Wie viel es im Einzelfall bringt, hängt davon ab, wie stark die Nachfrage eines Hauses schwankt und wie konsequent bisher Preise angepasst wurden.

Wann sich ein RMS lohnt

Ein RMS lohnt sich vor allem für Häuser mit schwankender Nachfrage, mehreren Zimmertypen und vielen Vertriebskanälen, etwa für Stadthotels mit Messe- und Wochenendgeschäft. Ein kleines Ferienhotel mit festen Saisonpreisen und vielen Stammgästen kommt oft mit einer gut gepflegten Preistabelle aus. Wichtig ist in beiden Fällen ein aktueller Buchungsstand, sonst rechnet auch die beste Software mit falschen Zahlen.

Grenzen der Automatik

Ein RMS kennt die Zahlen, aber nicht jeden Zusammenhang. Eine Hochzeitsgesellschaft, die gerade erst angefragt hat, oder eine Baustelle vor dem Haus tauchen in den Daten nicht auf. Deshalb sollten Hotels Mindest- und Höchstpreise festlegen und die Empfehlungen regelmäßig prüfen. Die Verantwortung für die Preise bleibt beim Hotel.

Worauf Hoteliers achten

Checkliste: Einführung eines RMS
  1. Daten prüfen: Sind Buchungen, Stornierungen und Zimmertypen im PMS vollständig und aktuell?
  2. Schnittstellen klären: Arbeitet das RMS mit dem vorhandenen PMS und Channel Manager zusammen?
  3. Grenzen setzen: Mindest- und Höchstpreise je Zimmertyp festlegen.
  4. Erst empfehlen lassen: In den ersten Wochen Vorschläge prüfen, bevor Preise automatisch übertragen werden.
  5. Erfolg messen: Den Umsatz pro verfügbarem Zimmer mit dem Vorjahr vergleichen, nicht nur die Auslastung.

Mehr im Magazin

Warum Gäste später buchen und wie sich Hotels darauf einstellen können, erklärt Tourismusprofessor Marco A. Gardini in unserem Beitrag „KI verändert die Hotelsuche, Gäste buchen kurzfristiger – wie sich Hotels darauf einstellen können“. Die Grundlagen der Preissteuerung erklärt der Lexikon-Eintrag Revenue Management, die wichtigste Erfolgskennzahl der Eintrag RevPAR.

Quellen

Dieser Lexikon-Eintrag stützt sich auf folgende Quelle:

  1. Chris Anderson, Sheryl Kimes (Cornell University) (o. J.)
    Revenue Management for Enhanced Profitability: An Introduction for Hotel Owners and Asset Managers
    Fachbeitrag, Cornell eCommons. Prognose mit Buchungskurven, Ratenzäune und Segmentierung, Umsatzsteigerung durch Revenue Management von 2 bis 5 Prozent in vielen Fällen.
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