Das Wichtigste in Kürze
- Jens Rosenbaum testet seit zehn Jahren Hotels. Er prüft Zimmer, Bett, Bad, Hygiene und Service und misst die Hygiene technisch.
- Maßstab ist das eigene Leistungsversprechen eines Hotels. Ein sehr gutes Budget- oder Mittelklassehotel kann deshalb grundsätzlich besser abschneiden als ein Luxushotel.
- Die größte Baustelle sieht Rosenbaum beim Bett, auch im Luxussegment. Design und Service sind sichtbar, die Qualität eines Bettes nicht.
- Hoteliers rät er zu drei Fragen: Ist das Thema Schlaf verstanden, werden die Betten den Gästen gerecht, und was muss sich ändern?
Zimmer, Bad, Service – und dann das Bett. Für Jens Rosenbaum liegt ausgerechnet dort eine der größten Schwachstellen der Hotellerie. Der Hoteltester verlässt sich dabei nicht allein auf seinen persönlichen Eindruck: Er arbeitet mit festen Kriterien und misst Hygiene technisch. Seine wichtigste Botschaft an Hoteliers ist trotzdem erstaunlich einfach: Wer Übernachtungen verkauft, sollte sich intensiver damit beschäftigen, wie seine Gäste tatsächlich schlafen.
Wenn Jens Rosenbaum ein Hotel beurteilt, reicht ihm der Eindruck eines schön eingerichteten Zimmers nicht. Fünf Bereiche stehen bei seinen Tests im Mittelpunkt: Zimmer, Bett, Bad, Hygiene und Service. Entscheidend seien dabei vor allem drei Fragen, erklärt er gegenüber eingecheckt®: Hält das Hotel sein eigenes Leistungsversprechen ein? Bietet das Bett grundsätzlich die Voraussetzungen für guten Schlaf? Und erreicht die Hygiene mindestens das Niveau, das im Markt zu erwarten ist?
Diese Herangehensweise führt zu einem wichtigen Unterschied gegenüber einer Bewertung, bei der Luxus automatisch mit Qualität gleichgesetzt wird. Auf die Frage, ob ein sehr gutes Budget- oder Mittelklassehotel bei seinem Verfahren besser abschneiden könne als ein Luxushotel, antwortet Rosenbaum knapp: „Grundsätzlich ja.“ Ein Haus wird also nicht allein daran gemessen, wie viel es bietet, sondern daran, ob es das erfüllt, was es seinen Gästen verspricht.

Erst schauen, dann messen
Rosenbaum beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bett und Schlaf. Der Journalist und Verleger steht hinter Schlafen Spezial, das seit 2015 über Schlaf, Bett und Matratze informiert¹; seine unangekündigten Hoteltests sind seit Jahren auch in Branchenmedien dokumentiert.² Daneben ist er beratend für Industrie, Handel und Hotellerie tätig.
Dabei versucht er, persönliche Wahrnehmung möglichst weit von der eigentlichen Bewertung zu trennen. Zimmergröße, Ausstattung und Erhaltungszustand lassen sich überprüfen, beim Bett betrachtet er Aufbau, Materialien und Ausstattung. Beim Service geht es beispielsweise darum, ob Fragen beantwortet, angefragte Leistungen erbracht und Beschwerden angemessen behandelt werden. Natürlich bleibe immer ein subjektiver Eindruck, sagt Rosenbaum. „Aber Maßstab sind die harten Kriterien.“
Besonders deutlich wird dieser Ansatz bei der Hygiene. Rosenbaum arbeitet hier nicht ausschließlich mit dem Auge. In einer von Schlafen Spezial veröffentlichten Untersuchung zur Bettenhygiene wurde bereits 2018 und 2019 mit ATP-basierten Abstrichmessungen gearbeitet. Zum Einsatz kam damals ein Lumitester; untersucht wurden unter anderem Bettwäsche, Kissen, Zudecken, Matratzen, Schutzbezüge, Topper und Unterfederungen. Die damalige Untersuchung umfasste zunächst 32 Hotels und bezeichnete ihre Ergebnisse selbst ausdrücklich noch als vorläufig.³

Das ist ein wichtiger Teil von Rosenbaums Arbeitsweise: Ein erster Eindruck darf eine Vermutung liefern, soll aber nicht das Ergebnis vorwegnehmen. Nach zehn Jahren als Hoteltester habe sich zwar ein Gespür dafür entwickelt, „woran man ist“. Trotzdem müsse bei jedem Haus das vollständige Verfahren angewendet werden, damit die Ergebnisse auf derselben Bewertungsmethode beruhen.

Das Bett als blinder Fleck
Fragt man Rosenbaum nach den Problemen, die ihm besonders häufig begegnen, muss er nicht lange suchen. „Das Bett ist die größte Baustelle. Auch im Bereich Luxus.“ Gerade dort werde teilweise gespart oder Hygiene zu oberflächlich verstanden, obwohl das Bett das zentrale Ausstattungselement eines Beherbergungsbetriebs sei.
Seine Erklärung dafür hat weniger mit Technik als mit menschlicher Wahrnehmung zu tun. Design lässt sich fotografieren, eine Lobby inszenieren und Service beobachten. Die Qualität eines Bettes offenbart sich wesentlich unspektakulärer. Rosenbaum formuliert es so: „Der Mensch glaubt nur, was er sieht, und nachts, im Schlaf, hat er die Augen zu.“

Dass die Schlafqualität eines Hotelgastes keineswegs nebensächlich ist, zeigt auch unabhängige Forschung. Eine Studie mit 609 häufig reisenden Geschäfts- und Freizeitgästen fand Zusammenhänge zwischen schlechterem Schlaf und unter anderem unbequemen Kissen, unangenehmer Bettwäsche sowie Geräuschen von Klimaanlage oder Heizung. Die Schlafzufriedenheit erwies sich zugleich als starker Prädiktor für die Gesamtzufriedenheit mit dem Hotel.⁴
Damit bekommt ein Detail wie eine brummende Lüftung plötzlich eine andere Bedeutung. Es muss keine spektakuläre Beschwerde auslösen, um den Aufenthalt zu verschlechtern.
Was ein Hotel für guten Schlaf tatsächlich beeinflussen kann
Rosenbaum trennt dabei zwischen Faktoren, auf die der Hotelier Einfluss nehmen kann, und dem Gast selbst. Niemand kann garantieren, dass jeder Mensch in einem fremden Bett hervorragend schläft. Schlaf ist individuell und hängt ebenso von Gewohnheiten, Tagesablauf und persönlichem Befinden ab. Ein Hotel kann aber die Voraussetzungen gestalten.
Beim Zimmer beginnt das für Rosenbaum mit Dingen, die schnell selbstverständlich klingen: keine störenden Gerüche, möglichst wenig technische Geräusche, eine funktionierende Verdunkelung und keine unnötigen Lichtquellen in der Nacht. Dass Dunkelheit und Ruhe tatsächlich zu einer guten Schlafumgebung gehören, entspricht auch den Empfehlungen der Schlafmedizin; die WHO weist insbesondere auf die Bedeutung nächtlicher Lärmbelastung für Schlafstörungen hin.⁵
Beim Bett selbst schaut Rosenbaum genauer hin. Eine kleine Kissenauswahl mit unterschiedlichen Stützhöhen und Festigkeiten könne helfen, unterschiedlichen Gästen gerecht zu werden. Bei Matratzen bevorzugt er eine mittlere Festigkeit und ausreichend Nachgiebigkeit im Schulter- und Beckenbereich sowie eine dazu passende Unterfederung. Wichtig sind ihm außerdem atmungsaktive Bettwaren und ein Hygienekonzept, das nicht bei frisch gewaschener Bettwäsche endet.

- Ruhe: Sind Lüftung, Klimaanlage und andere technische Einrichtungen auch nachts tatsächlich leise?
- Dunkelheit: Lässt sich das Zimmer wirklich abdunkeln und gibt es störende Standby- oder Kontrollleuchten?
- Geruch: Ist das Zimmer neutral oder bleiben Reinigungsmittel, Textilien oder andere Gerüche wahrnehmbar?
- Kissen: Gibt es unterschiedliche Festigkeiten und Stützhöhen für verschiedene Schlafgewohnheiten?
- Matratze und Unterfederung: Funktionieren beide als System und ermöglichen sie Schulter und Becken ausreichend nachzugeben?
- Bettklima: Sind Bettwaren und Schutzmaterialien luft- und feuchtigkeitsdurchlässig genug, um unnötiges Schwitzen zu vermeiden?
- Hygiene: Gibt es für alle Bettbestandteile nachvollziehbare Reinigungs- und Pflegeintervalle – nicht nur für die sichtbare Bettwäsche?
Bettenhygiene wird inzwischen auch offiziell wichtiger
Dass Rosenbaum mit seinem Schwerpunkt nicht alleinsteht, zeigt die aktuelle Hotelklassifizierung. Die Hotelstars Union hat ihren Kriterienkatalog für 2025 bis 2030 überarbeitet und dabei ausdrücklich zusätzliche Empfehlungen zur Matratzenreinigung aufgenommen. Insgesamt umfasst die europäische Klassifizierung heute 239 Kriterien.⁶
Auch die DEHOGA Akademie bietet inzwischen einen eigenen Selbstlernkurs zur Bettenhygiene an. Bemerkenswert ist dabei, dass Rosenbaum selbst an dessen Aufbereitung beteiligt war: Die Akademie nennt ihn als Experten von Schlafen Spezial HOME & HOTEL, der die Inhalte didaktisch neu strukturiert habe. Behandelt werden unter anderem die Bedeutung von Sauberkeit für Gästebewertungen, Gesundheit und Nachhaltigkeit, die Vorgaben für die Reinigung und die Hotelbett-Kategorien der Klassifizierung.⁷
Sein eigener Hotel-Betten-Check geht noch deutlich weiter. Das derzeit öffentlich zugängliche Instrument umfasst 130 Fragen zu Kissen, Matratzen, Unterfederung und Zudecken. Dabei geht es nicht nur um die Ausstattung, sondern ebenso um Organisation und Pflege. Die Optik des Bettes wird bewusst nicht bewertet.⁸
Genau darin liegt ein wesentlicher Teil seines Ansatzes: Ein aufwendig gestaltetes Kopfteil sagt wenig darüber aus, wie gut der Gast darauf schläft.
Drei Fragen statt der nächsten großen Investition
Für Hoteliers muss daraus nicht zwangsläufig ein kostspieliger Austausch sämtlicher Betten folgen. Rosenbaum empfiehlt zunächst etwas viel Einfacheres. Wer die Übernachtungsqualität verbessern möchte, solle sich selbst drei Fragen stellen: Hat man das Thema Schlaf wirklich verstanden? Werden die vorhandenen Betten den Bedürfnissen der Gäste ausreichend gerecht? Und was müsste sich ändern, damit tatsächlich eine angemessene Grundlage für guten Schlaf entsteht?
Das klingt weniger spektakulär als ein neues Spa, eine Designerlobby oder digitale Zimmersteuerung. Für einen Beherbergungsbetrieb berührt es aber den Kern seines Geschäfts. Ein Gast kann das schönste Frühstück loben und den Service hervorragend finden – einen erheblichen Teil seines Aufenthalts verbringt er trotzdem mit geschlossenen Augen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Rundgang durch die eigenen Zimmer nicht zuerst auf die Dekoration zu schauen. Sondern einmal die Klimaanlage auszuschalten, das Licht zu löschen, ein Kissen in die Hand zu nehmen und sich auf die Matratze zu legen.
Denn genau dort beginnt die eigentliche Übernachtung.
Für diesen Artikel wurden eigene redaktionelle Quellen, Veröffentlichungen von Schlafen Spezial sowie unabhängige fachliche und wissenschaftliche Quellen ausgewertet.
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Schlafen Spezial (2026)
Schlafen Spezial – Bett und Schlaf
Website des Fachmediums. Selbstbeschreibung, Informationen zu Schlaf, Bett und Matratze seit 2015. -
Tageskarte (2025)
Schlafexperte Jens Rosenbaum auf Undercover-Tour: Feinschmecker thematisiert das Hotelbett
Beitrag (als Anzeige gekennzeichnet), 23.01.2025. Unangekündigte Hoteltests mit Schwerpunkt Schlafkomfort und Hygiene. -
Schlafen Spezial (2019)
Wie sauber sind Hotel-Betten?
Studie von Jens Rosenbaum, 20.05.2019. ATP-Hygienemessung mit Lumitester in 32 Hotels, Erhebung Juni 2018 bis Juni 2019, vorläufige Ergebnisse. -
Robbins, Grandner, Knowlden, Severt (2021)
Examining key hotel attributes for guest sleep and overall satisfaction
Fachartikel in Tourism and Hospitality Research. Befragung von 609 Reisenden zu Hotelmerkmalen, Schlaf- und Gesamtzufriedenheit. -
WHO Europa (2011)
Noise
Faktenblatt. Lärm als Ursache von Schlafstörungen. -
Hotelstars Union (2024)
Neue Kriterien der Hotelklassifizierung
Pressemitteilung, 24.04.2024. Kriterienkatalog 2025–2030 mit 239 Kriterien und Empfehlungen zur Matratzenreinigung. -
DEHOGA Akademie (2026)
Selbstlernkurs Bettenhygiene
Kursbeschreibung. Inhalte zur Bettenhygiene, didaktisch strukturiert von Jens Rosenbaum. -
Hotel-Betten-Check (2026)
Erklärung
Website des Analyseinstruments. 130 Fragen zu Kissen, Matratzen, Unterfederung und Zudecken; Optik wird nicht bewertet.