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GästeerlebnisInterview

Warum das Hotel Laurin bei Meran nicht alles selbst anbieten muss

Das Hotel Laurin bei Meran setzt auf Erlebnisse aus der Region. Hotelchefin und Tourenanbieter erklären, warum das trägt.

Eva Illmer, Inhaberin des Hotel Laurin, lächelt vor Weinbergen und Bergen bei Dorf Tirol.
Eva Illmer, Inhaberin des Hotel Laurin in Dorf Tirol oberhalb von Meran. Foto: privat
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Vier-Sterne-Hotel Laurin in Dorf Tirol bei Meran empfiehlt Gästen regionale Erlebnisse wie die Genusstouren von Sissi Tours, ohne feste Kooperation.
  • Inhaberin Eva Illmer sieht darin einen wirtschaftlichen Vorteil: Ein solches Angebot könne ein einzelnes Hotel nie allein stemmen.
  • Sissi Tours führt seit zehn Jahren zu Fuß und mit dem E-Bike zu Produzenten, Gastronomen und Handwerkern rund um Meran.
  • Gerd Locher wählt die Betriebe nach einer Besonderheit aus. Weder er noch seine Partner sollen den Eindruck erwecken, etwas verkaufen zu wollen.

Wer im Hotel Laurin in Dorf Tirol nach Ausflugstipps fragt, bekommt Empfehlungen für das, was die Region bietet: Feste, Wanderwege, Veranstaltungen und Genusstouren wie die von Sissi Tours in Meran. Ein fester Partner steht dahinter nicht. Im Interview mit eingecheckt® erklären Hotelinhaberin Eva Illmer und Gerd Locher von Sissi Tours, warum diese lose Verbindung für Hotel, Anbieter und Gäste funktioniert.

Das Vier-Sterne-Hotel Laurin liegt oberhalb von Meran inmitten eines weit verzweigten Bike- und Wandernetzes. Die Startpunkte der Sissi Tours in der Kurstadt erreichen Gäste mit dem Rad oder mit dem öffentlichen Bus, den sie dank des Südtirol Guest Pass kostenlos nutzen.¹ Im Haus gibt es einen großzügigen Spa mit Saunen, beheiztem Innen- und Außenpool. Im Restaurant wechselt die Dinner-Variante täglich, außer dienstags, da hat die Küche ihren Ruhetag.¹

Luftaufnahme des Hotel Laurin mit Garten und Außenpool zwischen Apfelwiesen und Häusern von Dorf Tirol.
Das Hotel Laurin liegt in Dorf Tirol oberhalb von Meran. Von hier erreichen Gäste die Startpunkte der Sissi Tours mit dem Rad oder dem Bus. Foto: Michael Glashauser

Warum die Region zum Gesamtpaket gehört

Viele Gäste kommen nach Dorf Tirol wegen der Natur, des mediterranen Flairs und des guten Essens, wegen der Berglandschaft und der vielen Sportmöglichkeiten. Für Eva Illmer ist das nur ein Teil der Antwort: „Das reicht jedoch nicht aus: Rund wird das Gesamtpaket für uns und für den Gast erst durch einen entscheidenden Mehrwert: die regionalen Erlebnisse vor Ort sowie besondere externe Angebote.“

Dazu zählt sie neben den Sissi Tours auch Feste und Veranstaltungen rund um Brauchtum, Genuss und Kultur. Ohne diese Angebote wäre die Destination „und somit auch ein Urlaub im Laurin nur halb so attraktiv“, sagt sie. Das Hotel selbst entwickelt sein Angebot laufend weiter und bietet zusätzliche Leistungen im Haus.

„Als einzelner Hotelbetrieb kann ich einen bestimmten Angebotsumfang bieten, je nach Ressourcen, die ich zur Verfügung habe. Jedoch ist ein zusätzliches attraktives externes Angebot niemals alleine stemmbar.“

Einen wirtschaftlichen Vorteil sieht Eva Illmer darin ausdrücklich, für die Gewinnung neuer Gäste ebenso wie für die Bindung der bestehenden. Umfang und Qualität der Angebote in der Region seien ein wesentlicher Faktor, wenn Gäste ihre Reise planen und sich für ein Ziel entscheiden.

Empfehlen statt fest kooperieren

Eine feste Kooperation mit Sissi Tours gibt es nicht, und auch sonst arbeitet das Laurin nicht exklusiv mit einem bestimmten Anbieter zusammen. Die Angebote seien so vielfältig und die Wünsche der Gäste so individuell, sagt Eva Illmer, dass das Hotel „viel besser damit“ fahre, gezielt zu empfehlen und auf Veranstaltungen und Erlebnisse hinzuweisen.

Ihr wichtigster Partner dabei sind die Tourismusvereine der Orte. Sie stellen Jahresprogramme zusammen, organisieren Veranstaltungen und informieren über das Geschehen in der Umgebung. Neben der Hotelrezeption sind die Tourismusbüros für die Gäste die erste Anlaufstelle, wenn sie Ausflüge planen.

Aus Sicht von Gerd Locher passt das zu seinen Erfahrungen. Einige Hotels sind über die Jahre feste Partner von Sissi Tours geworden, gemessen an der Gesamtzahl aber nur sehr wenige. Viele Vier- und Fünf-Sterne-Häuser haben inzwischen eigene Genusstouren im Programm, mit dem Rad oder mit Shuttlebussen. Für Sissi Tours ist es deshalb wichtig, im Veranstaltungskalender der Region zu erscheinen. Darüber hinaus freue man sich „über jede andere Vermittlung“.

Eine Gruppe mit E-Bikes fährt auf einer Straße oberhalb von Meran, im Hintergrund Weinberge und Berge.
Unterwegs mit Sissi Tours: Die E-Bike-Touren führen zu Bauernhöfen, Weingütern und Gasthäusern rund um Meran. Foto: Sissi Tours

Wie Sissi Tours entstanden ist

Gerd Locher hat in Wien Ernährungswissenschaften studiert. Für ein Unternehmen aus der Nähe von München begleitete er Wochen-Radreisen, wegen seiner Zweisprachigkeit vor allem in Italien, etwa eine Woche durch die Toskana. „Es ging immer um Land und Leute, um die Kultur und die Spezialitäten, Besonderheiten vor Ort“, sagt er. Erst die E-Bikes machten solche Touren auch in Südtirol mit seinen ständigen Auf und Abs ohne großen Aufwand möglich. „Die eigene Überzeugung, Urlaub als Entdeckungsreise zu verstehen, hat dann zum ersten Sissi Tours Produkt geführt.“

Heute ist Sissi Tours seit zehn Jahren am Markt. Die Genuss Rad Meran Tour läuft in ihrer zehnten Saison, nach eigenen Angaben haben mehr als 2.000 Gäste teilgenommen.²

Beim dreistündigen Gourmet-Walk durch Meran besuchen höchstens 14 Teilnehmer je nach Saison bis zu fünf Stationen, von der Trattoria über einen Südtiroler Feinkostladen bis zur Weinbar. Sie erfahren, welche Unterschiede es beim Speck gibt, verkosten Parmigiano und Aceto Balsamico, sehen sich die Kochschule Taste Academy an und sprechen mit Sternekoch Andrea Fenoglio im Restaurant Sissi. Der rund zwei Kilometer lange Rundgang findet freitags ab 9.30 Uhr statt und kostet derzeit 54 Euro pro Person.¹

Neu seit Frühjahr 2026 ist die E-Bike-Tour „Der schlafende Riese“. Die rund 35 Kilometer lange Tagestour führt durch die Algunder Obstwiesen zum Blumenthalerhof, einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, weiter zum Weingut Plonerhof in Marling und zum Mittagessen ins Restaurant Stadele in Lana. Nach einem Halt am gotischen St.-Agatha-Kirchlein endet sie mit einem Aperitif am Meraner Pferderennplatz, dem „schlafenden Riesen“. Die Tour kostet aktuell 104 Euro pro Person, inklusive Guide, E-Bike, Helm, Mittagessen und Verkostungen.¹

Was den Einheimischen schmeckt, schmeckt auch den Gästen

Was die Touren von üblichen Ausflügen unterscheidet, beschreibt Gerd Locher mit einem Wort: Authentizität. Die Partnerbetriebe stellen ihre Produkte nicht für Touristen her, und die Gäste sollen mit dem Wirt, der Chefin oder einem wichtigen Mitarbeiter ins Gespräch kommen. „Es geht um Qualität, nicht nur darum, zu zeigen, wo es guten Speck gibt, sondern um die Geschichte und Besonderheit dahinter.“

„Das Prinzip ist sehr einfach: Was den Einheimischen gefällt oder schmeckt, gefällt auch den Gästen.“

Jede Tour folgt einem eigenen Drehbuch, ohne Wiederholungen. Auf eine italienische Trattoria folgt ein deutsches Gasthaus, auf ein Handelsgeschäft Gastronomie oder Handwerk. Auf dem bekannten Radweg bleibt die Gruppe nur so lange wie nötig. Stattdessen will Locher den Gästen zeigen, „dass uns kein Schleichweg fremd ist“.

Bei der Auswahl der Betriebe muss mindestens eine Besonderheit gegeben sein: ein schöner, versteckter Ort, eine besondere Location, ein besonderes Produkt oder unverwechselbare Gastgeber. Die Wahl sei subjektiv, sagt Locher, die langjährige Erfahrung gebe ihm aber die Sicherheit, „nichts Abgedroschenes auszusuchen“. Persönliche Beziehungen entstehen meist erst durch die Zusammenarbeit. Nach zehn Jahren melden sich inzwischen auch Betriebe von sich aus.

Zwei Hände stoßen mit Weißweingläsern an, darunter die Altstadt von Meran mit dem Kirchturm von St. Nikolaus.
Bei jeder Station der Sissi Tours gibt es etwas zu verkosten, hier mit Blick über Meran. Foto: Anita Augscheller

Nichts verkaufen wollen

Welchen Nutzen haben die Partnerbetriebe davon? Gerd Locher antwortet zunächst mit einer Haltung: „Der wirtschaftliche Nutzen muss im ersten Moment uninteressant sein.“ Er und seine Partner müssten den Gästen das Gefühl geben, nichts verkaufen zu wollen. „Wir zeigen auf, wofür wir stehen. Wenn es gefällt und schmeckt, entscheidet sich der Kunde sowieso im positiven Sinne.“

Ein Beispiel stammt aus dem Weinbau rund um Meran. Eine Produzentin wollte mindestens fünf Weine anbieten und war mit dem finanziellen Beitrag von Sissi Tours nie zufrieden, die Partnerschaft endete nach einem Jahr. Andere Betriebe bieten ihre Kostprobe kostenlos an und sind seit Jahren dabei. Viele Gäste in Meran kommen wieder, sagt Locher. Wer nach der Tour nicht gleich im Lokal isst, kommt vielleicht im nächsten Jahr. „Es freut mich immer wieder zu sehen, wenn in ‚unseren‘ Lokalen Tische reserviert oder Gäste im Handel angetroffen werden.“

Auch im Hotel Laurin sind Gäste, die gezielt nach solchen Erlebnissen suchen, willkommen. Viele Stammgäste kennen Haus, Ort und Umgebung gut und reisen bewusst zu bestimmten Zeiten an, zum Wandern im Herbst oder für Herbstfeste, Törggelen und Musikfestivals. Neue Gäste seien vor allem vom vielfältigen Angebot begeistert, sagt Eva Illmer, und fänden oft „wirklich echte authentische Erlebnisse“.

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Was andere Hoteliers mitnehmen können

Auf die Frage, was ein Hotelier brauche, der seinen Gästen ebenfalls authentische regionale Erlebnisse bieten möchte, antwortet Gerd Locher knapp: „Ein ‚gutes‘ Produkt bekommt ‚gute‘ Abnehmer (Gäste). Deswegen muss ein Hotel an der Basis beginnen.“

Eva Illmer erlebt die Angebote in der Region auch als Einheimische. Sie besucht selbst viele Veranstaltungen und gestaltet einige mit. Die Angebote seien nicht ausschließlich für Gäste gedacht, sondern auch für die Menschen, die dort leben. „Was mir immer wieder besonders positiv auffällt: In Südtirol sind sehr viele Menschen, besonders auch junge Leute, in Vereinen und Gremien engagiert. Sie bewegen viel, haben Ideen und tragen durch ihren Einsatz wesentlich zur Qualität und zum Erfolg der Angebote bei.“

Quellen

Für diesen Artikel wurden eine Pressemitteilung des Hotel Laurin, Angaben von Sissi Tours und eigene redaktionelle Quellen ausgewertet.

  1. Hotel Laurin / AHM Kommunikation (2026)
    Hotel Laurin, Südtirol: Kulinarische Touren in und rund um Meran. Dem Genuss auf der Spur.
    Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026. Lage des Hotels, Anreise mit dem Südtirol Guest Pass, Spa und Restaurant sowie Ablauf und Preise des Gourmet-Walks und der Tour „Der schlafende Riese“.
  2. Sissi Tours (2026)
    Nur dem Genuss verpflichtet. Geführte Genusstouren in und rund um Meran.
    Website, abgerufen am 18. Oktober 2026. Angaben zur Zahl der Saisons und der Gäste der Genuss Rad Meran Tour.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliche Interviews mit Eva Illmer, Inhaberin des Hotel Laurin in Dorf Tirol (übermittelt über AHM Kommunikation), und mit Gerd Locher, Sissi Tours, Meran, im Austausch mit der Redaktion eingecheckt® Magazin, Oktober 2026. Angaben zu Kooperationen und Partnerbetrieben beruhen auf ihren Aussagen.