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Nachhaltigkeit

Waschbare Matratzen im Hotel? Das Resort Hof Weissbad macht es vor

Das Resort Hof Weissbad nutzt seit 2014 vollständig waschbare Matratzen. Was steckt hinter dem Schweizer System?

Eine in ein grünes Netz gespannte Matratze wird in die Trommel einer großen industriellen Waschanlage eingeführt
Kern und Hülle werden komplett gewaschen: Eine Matratze wird in eine spezielle Waschanlage eingeführt. Foto: SWISSFEEL
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Resort Hof Weissbad im Appenzellerland nutzt seit 2014 vollständig waschbare Matratzen des Schweizer Herstellers SWISSFEEL.
  • Matratzenkern und Hülle werden komplett gewaschen, getrocknet und wieder eingesetzt, statt die Matratze nur abzusaugen oder zu ersetzen.
  • In einer Ökobilanz der Carbotech AG kommt die waschbare Matratze im Vergleichsszenario auf bis zu 77 Prozent weniger CO₂-Äquivalente als eine Federkernmatratze.
  • Das Hotel hat nach Angaben von SWISSFEEL mehr als 200.000 Franken eingespart. Eine Mindestgröße für Hotels sieht Inhaber Philipp Hangartner nicht.

Eine Hotelmatratze, die sich vollständig waschen lässt und bis zu 20 Jahre halten soll? Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist im Schweizer Resort Hof Weissbad seit mehr als einem Jahrzehnt gelebte Praxis. Dahinter steht Philipp Hangartner, Inhaber von SWISSFEEL, mit einer Idee, die Hygiene, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden soll.

Warum eine Matratze zum Wegwerfprodukt wurde

Philipp Hangartner beschäftigt eine Frage, die eigentlich erstaunlich einfach klingt: Warum werfen wir Dinge weg, nur weil sie schmutzig geworden sind? Bettwäsche, Kissenbezüge und Bettdecken werden regelmäßig gewaschen und anschließend weiterverwendet. Bei Matratzen dagegen ist das bislang kaum möglich. Dabei gehören sie ausgerechnet zu den Gegenständen, mit denen Menschen besonders viel Zeit verbringen und die im Hotelbetrieb täglich von wechselnden Gästen genutzt werden.

„Warum aber, haben wir uns gefragt, muss man etwas wegwerfen, nur weil es schmutzig ist?“, erklärt Hangartner im Gespräch mit eingecheckt. Aus dieser Überlegung entstand die Idee, eine Matratze zu entwickeln, die nicht nur oberflächlich gereinigt, sondern vollständig gewaschen werden kann. Zusammen mit einem geeigneten Waschverfahren sollte daraus ein System entstehen, das Hygiene und Schlafkomfort erhält, während die Matratze wesentlich länger genutzt werden kann.

„Warum aber, haben wir uns gefragt, muss man etwas wegwerfen, nur weil es schmutzig ist?“ – Philipp Hangartner

Der Gedanke hat auch einen ökologischen Hintergrund. Matratzen bestehen aus unterschiedlichen Materialien, deren Herstellung Ressourcen und Energie benötigt. Werden sie aus hygienischen oder wirtschaftlichen Gründen ausgetauscht, obwohl ihre Liegeeigenschaften noch ausreichend wären, entstehen vermeidbare Abfälle. Auch das Umweltbundesamt hat in einem 2022 veröffentlichten Forschungsbericht zur Kreislaufwirtschaft untersucht, wie sich die Erfassung und Verwertung ausgedienter Matratzen verbessern lässt.¹

Wenn die ganze Matratze in die Waschmaschine kommt

Die Lösung des 2004 gegründeten Schweizer Unternehmens SWISSFEEL² unterscheidet sich grundlegend von der Reinigung herkömmlicher Matratzen. Während dort meist nur Bezüge gewaschen oder Oberflächen durch Absaugen beziehungsweise Bedampfen behandelt werden, lassen sich bei dem Schweizer System sowohl der Matratzenkern als auch die Hülle vollständig mit Wasser und Waschmitteln reinigen.

Dafür werden spezielle Waschanlagen eingesetzt, deren Dimensionen wenig mit einer gewöhnlichen Haushaltswaschmaschine gemeinsam haben. Die Matratzen müssen während des Waschvorgangs so bewegt und durchspült werden, dass Verschmutzungen auch aus dem Inneren entfernt werden können. Anschließend werden die Materialien getrocknet und für ihren erneuten Einsatz vorbereitet.

Porträt von Philipp Hangartner, Inhaber von SWISSFEEL, mit grauem Haar und Bart, lächelnd vor dunkelgrauem Hintergrund
Philipp Hangartner, Inhaber von SWISSFEEL. Foto: SWISSFEEL

Hangartner sieht darin einen entscheidenden hygienischen Vorteil. Im Laufe der Nutzung sammeln sich zwangsläufig Schweiß, Salze, Hautpartikel und weitere Rückstände im Inneren einer Matratze. Auch Hausstaubmilben und deren Ausscheidungen spielen eine Rolle. Vieles davon trocknet mit der Zeit ein und setzt sich fest. Mit Absaugen oder Bedampfen ist ihm dann nicht mehr beizukommen. Das vollständige Waschen soll genau diese Rückstände lösen, statt sie lediglich an der Oberfläche zu reduzieren.

Die speziell entwickelten Materialien müssen dafür allerdings besondere Eigenschaften mitbringen. Nicht jede beliebige Matratze kann in einer solchen Anlage gewaschen werden. SWISSFEEL verwendet einen in der Schweiz hergestellten Mineralschaum, der auf die wiederholte Reinigung und Trocknung ausgelegt ist.³

Wie weit sich die Nutzungsdauer dadurch verlängern lässt, hängt nach Hangartners Angaben unter anderem von der Belastung und der Unterfederung ab. Seine ältesten Kunden würden ihre Matratzen inzwischen seit zwölf Jahren verwenden. In Tests habe das Unternehmen unter geeigneten Voraussetzungen eine physische Nutzungsdauer von bis zu 20 Jahren ermittelt.

Mehrere gewaschene Schaumstoffmatratzen liegen übereinander in einem Edelstahlgestell, daneben ein Mitarbeiter im weißen Kittel
Nach der Wäsche werden die Matratzen getrocknet und für den erneuten Einsatz vorbereitet. Foto: SWISSFEEL

Eine so lange Nutzung ist damit keine pauschale Garantie für jedes Bett. Sie zeigt aber, wie grundlegend sich die wirtschaftliche Betrachtung verändern könnte, wenn eine Matratze nicht mehr allein wegen ihrer Verschmutzung ersetzt werden muss.

Zwölf Jahre Praxiserfahrung im Appenzellerland

Wie ein solches Konzept langfristig funktionieren kann, zeigt das Resort Hof Weissbad im Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden. Das Resort verbindet klassische Hotellerie mit Wellness, Gesundheit und Gastronomie. Dazu gehören das Vier-Sterne-Superior-Hotel Hof Weissbad mit 90 Zimmern und Suiten sowie die Lodge Hof Weissbad mit weiteren 25 Zimmern.

Das Hotel setzt nach Angaben auf seiner Website bereits seit 2014 auf vollständig waschbare Matratzen von SWISSFEEL.⁴ In der 2018 eröffneten Lodge sind sie von Beginn an im Einsatz.⁵ Die regelmäßige professionelle Aufbereitung ermöglicht es, die vorhandene Ausstattung länger zu nutzen, statt sie in den üblichen Beschaffungsintervallen vollständig auszutauschen.

Für das Hotel ist diese Entscheidung inzwischen Teil einer umfassenderen Nachhaltigkeitsstrategie geworden. Dazu zählen unter anderem regionale Lebensmittel, Maßnahmen zur Verringerung von Abfällen und die Förderung einer umweltfreundlicheren Anreise. Das Matratzensystem betrifft dabei unmittelbar die Kernleistung des Hauses: den Schlafkomfort seiner Gäste.

Im September 2026 wurde das Resort beim HSMAday in Berlin mit dem Green Sleeping Award ausgezeichnet. In seiner Mitteilung betont das Haus, dass sich durch die professionelle Reinigung sowohl die Nutzungsdauer als auch der Ressourcenverbrauch positiv beeinflussen lassen. „Ein guter Hotelaufenthalt beginnt mit einer guten Nacht“, sagt Elias Leu, Gastgeber und Mitglied der Geschäftsleitung. Er sieht die Auszeichnung als Anerkennung für die Arbeit des gesamten Teams.⁵

„Ein guter Hotelaufenthalt beginnt mit einer guten Nacht.“ – Elias Leu, Resort Hof Weissbad

Interessant ist vor allem, dass das Hotel die Matratzen nicht erst im Zuge einer aktuellen Nachhaltigkeitskampagne angeschafft hat. Die Entscheidung liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. Damit unterscheidet sich Hof Weissbad von Projekten, bei denen sich ökologische Vorteile bislang vor allem auf theoretische Berechnungen oder angekündigte Maßnahmen stützen.

Über 200.000 Franken eingespart

Für Philipp Hangartner ist das Resort Hof Weissbad auch wirtschaftlich ein wichtiges Referenzprojekt. Nach seinen Angaben wurden dort 2014 insgesamt 136 Betten mit SWISSFEEL-Matratzen ausgestattet. Das Hotel habe errechnet, durch die längere Nutzung und die Möglichkeit der Reinigung inzwischen mehr als 200.000 Schweizer Franken eingespart zu haben.

Die wirtschaftliche Überlegung dahinter ist gut nachvollziehbar. Eine Matratze, die über einen längeren Zeitraum genutzt werden kann, muss seltener neu beschafft werden. Gleichzeitig entstehen Kosten für Reinigung, Transport und Aufbereitung. Entscheidend ist deshalb nicht allein der Anschaffungspreis, sondern die Summe aller Aufwendungen über die tatsächliche Nutzungsdauer.

Hangartner räumt ein, dass hochwertige Matratzen zunächst ihren Preis haben. Über die Jahre soll sich die Investition jedoch rechnen. Hinzu kommt nach seinen Angaben, dass SWISSFEEL die Matratzen am Ende ihrer Nutzungsdauer kostenlos zum Recycling zurücknimmt.

Gerade für größere Hotels könnten solche langfristigen Beschaffungsentscheidungen erhebliche Auswirkungen haben. Aber auch kleinere Betriebe profitieren grundsätzlich davon, wenn eine Ausstattung länger genutzt werden kann, ohne dass Hygiene oder Komfort darunter leiden.

Was sagt die Ökobilanz?

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt steht die ökologische Wirkung im Mittelpunkt des Konzepts. SWISSFEEL hat dazu die Ergebnisse einer Ökobilanz der Basler Carbotech AG aus dem Jahr 2023 veröffentlicht, die verschiedene Matratzentypen über ihren Lebenszyklus miteinander vergleicht.

Die Untersuchung berücksichtigt unter anderem Herstellung, Materialien, Transport, Reinigung und Entsorgung. In dem betrachteten Szenario kommt die SWISSFEEL-Matratze auf 92 Kilogramm CO₂-Äquivalente, eine herkömmliche Federkernmatratze auf 398 und eine Schaummatratze auf 368 Kilogramm. Das entspricht einer Verringerung der Treibhausgasemissionen um bis zu 77 Prozent gegenüber der Federkernmatratze und um 75 Prozent gegenüber der Schaummatratze.⁶

Grafik zur Ökobilanz: SWISSFEEL-Matratze 92 kg CO₂-Äquivalente, Federkernmatratze 398 kg, Schaummatratze 368 kg; bis zu 77 Prozent weniger

Hinter diesen Werten stehen konkrete Annahmen: Verglichen wurde eine 15-jährige Nutzung der waschbaren Matratze einschließlich zweier Reinigungszyklen mit herkömmlichen Matratzen, die nach jeweils fünf Jahren ersetzt werden. Dieses Intervall orientiert sich an der DEHOGA-Hotelsterneklassifizierung. Die Werte beschreiben somit das Ergebnis eines definierten Vergleichsszenarios und nicht die gemessene CO₂-Einsparung eines bestimmten Hotels.⁶

Die Berechnung macht zugleich deutlich, wo ein wesentlicher ökologischer Vorteil entstehen kann. Bei langlebigen Produkten verteilt sich der Aufwand für die ursprüngliche Herstellung auf einen deutlich längeren Nutzungszeitraum. Werden dadurch mehrere Neuanschaffungen vermieden, können die zusätzlichen Aufwendungen für Reinigung und Logistik in der Gesamtbilanz vergleichsweise gering ausfallen.

Für die Hotellerie ergibt sich daraus ein interessanter Perspektivwechsel. Nachhaltigkeit muss nicht zwangsläufig bedeuten, bestehende Produkte durch neue, vermeintlich umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen. Manchmal liegt der größere Nutzen gerade darin, vorhandene Ausstattung möglichst lange weiterzuverwenden.

Eine Lösung auch für kleine Hotels?

Nicht jedes Hotel verfügt über mehr als hundert Zimmer oder entsprechende Einkaufsbudgets. Deshalb stellt sich die Frage, ob das Konzept auch für kleinere, familiengeführte Betriebe praktikabel ist.

Hangartner sieht dabei grundsätzlich keine Mindestgröße. Ob ein Hotel zehn, hundert oder fünfhundert Zimmer betreibe, sei für das Prinzip zunächst unerheblich. Größere Mengen ermöglichten allerdings eine effizientere Organisation der Logistik.

Frisch bezogenes Doppelbett mit grauem Kopfteil und Felldecke in einem Zimmer mit gemusterter Tapete
Bett mit SWISSFEEL-Matratzen. Foto: SWISSFEEL

Für kleinere Hotels dürfte vor allem entscheidend sein, wie sich Transport, Reinigung und gegebenenfalls notwendige Ersatzmatratzen während der Aufbereitung organisieren lassen. Der wirtschaftliche Nutzen muss deshalb jeweils anhand der konkreten Betriebsbedingungen beurteilt werden.

Mit dem Green Sleeping Award hat das Thema inzwischen zusätzliche Aufmerksamkeit innerhalb der Branche erhalten. Der Preis wird von der HSMA Deutschland vergeben und durch SWISSFEEL unterstützt.⁷ Bewertet werden laut der Mitteilung des Resorts die Bereiche Hygiene, Komfort und Nachhaltigkeit.⁵ Die Unterstützung durch den Hersteller ist dabei transparent ausgewiesen.

Für Hangartner ist die Entwicklung seiner Matratzen längst mehr als eine technische Neuerung. Sie steht für die Überzeugung, dass sich wirtschaftliches Handeln und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen nicht ausschließen müssen. Das Beispiel Hof Weissbad zeigt zumindest, dass der Ansatz über viele Jahre im regulären Hotelbetrieb eingesetzt werden kann.

Die eigentliche Veränderung beginnt dabei mit einer ungewöhnlichen Frage, die Hangartner vor Jahren beschäftigte: Weshalb wird ein Produkt entsorgt, obwohl es möglicherweise noch lange genutzt werden könnte?

Bei Hotelmatratzen gibt es darauf inzwischen eine Alternative. Sie müssen nicht zwangsläufig ersetzt werden, nur weil sie schmutzig geworden sind.

Quellen

Dieser Artikel basiert auf einem schriftlichen Interview mit Philipp Hangartner von SWISSFEEL, offiziellen Informationen des Resort Hof Weissbad sowie ergänzender redaktioneller Recherche.

  1. Umweltbundesamt (2022)
    Evaluation der Erfassung und Verwertung ausgewählter Abfallströme zur Fortentwicklung der Kreislaufwirtschaft
    UBA-Texte 31/2022, März 2022. Forschungsbericht u. a. zu Altreifen, Textilien, Sperrmüll und Matratzen.
  2. Servitex GmbH / SWISSFEEL AG (2015)
    Servitex GmbH kooperiert mit SWISSFEEL AG
    Presseinformation vom 16. Januar 2015. Unternehmensprofil von SWISSFEEL, u. a. Gründungsjahr 2004 und Mineralschaum.
  3. SWISSFEEL (2026)
    Unternehmenswebsite
    Abgerufen am 16. Oktober 2026. Informationen zu Material, Waschservice, Rücknahme und Recycling.
  4. Resort Hof Weissbad (2026)
    Resort und Zukunftsfähigkeit
    Hotelwebsite, abgerufen am 16. Oktober 2026. Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Einsatz waschbarer SWISSFEEL-Matratzen seit 2014.
  5. Resort Hof Weissbad (2026)
    Resort Hof Weissbad gewinnt den Green Sleeping Award 2026
    Pressemitteilung vom 3. September 2026, veröffentlicht am 10. September 2026. Auszeichnung, Bewertungsbereiche, Zimmerzahlen und Aussagen von Elias Leu.
  6. SWISSFEEL (2024)
    Ökobilanz: Mit SWISSFEEL-2-CYCLE bis zu 77 % CO₂-eq. einsparen
    Herstellerflyer vom April 2024 mit Ergebnissen einer Studie der Carbotech AG, Basel (2023), bilanziert nach IPCC 2021. Vergleich von 15 Jahren Nutzung mit zwei Waschgängen gegenüber fünf Jahren für herkömmliche Matratzen.
  7. HSMA Deutschland e. V. (2026)
    Green Sleeping Award 2026 powered by SWISSFEEL
    Informationsseite, abgerufen am 16. Oktober 2026. Preisträger und Unterstützung durch SWISSFEEL.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Philipp Hangartner, Inhaber von SWISSFEEL, Oktober 2026. Die Antworten und das Bildmaterial wurden der Redaktion direkt zur Verfügung gestellt.