Das Wichtigste in Kürze
- Das Frankfurter Privathotel The Blasky heißt nun Vienna House by Wyndham Frankfurt South. Rooftop-Restaurant und Bar behalten ihren Namen.
- Als eigenständiges Haus lief das Hotel Gefahr, Marktanteile zu verlieren, sagt Tim Lichtenberg. Die Marke soll vor allem im Vertrieb Reichweite bringen.
- In weniger als drei Monaten wurde das Erscheinungsbild umgestellt, dazu kamen neue Systeme und Abläufe im laufenden Betrieb.
- Bis Ende 2027 sollen 35 Zimmer dazukommen. Die Geschichte des Hauses, vom Kindergarten bis zum Tisch aus Manila, bleibt sichtbar.
Ein unabhängiges Hotel, ein internationaler Markenpartner und ein Direktor, der beide Welten kennt: Das bisherige The Blasky in Frankfurt wird zum Vienna House by Wyndham Frankfurt South. Für Managing Director Tim Lichtenberg ist der Wechsel eine wirtschaftliche Entscheidung, die weit über ein neues Logo hinausgeht. Während der Betrieb in weniger als drei Monaten auf internationale Markenstandards umgestellt wird, soll die besondere Geschichte des Hauses erhalten bleiben. Ein Beispiel dafür, welche Chancen und Herausforderungen ein Franchise-Modell für unabhängige Hoteliers mit sich bringt.
Als Tim Lichtenberg die Leitung des Frankfurter Hotels übernahm, stand für ihn eine grundsätzliche Entscheidung an. Sollte das The Blasky weiterhin als eigenständiges Hotel am Markt auftreten oder wäre eine Partnerschaft mit einer internationalen Hotelgruppe der bessere Weg? Das Haus hatte sich mit seinem Rooftop-Restaurant, seiner individuellen Gestaltung und einer ungewöhnlichen Gebäudegeschichte ein eigenes Profil geschaffen. Gleichzeitig musste es sich in einem Hotelmarkt behaupten, der stark von internationalen Marken geprägt ist.
Lichtenberg kannte die Vorteile einer solchen Partnerschaft bereits aus eigener Erfahrung. Zuvor hatte er das Vienna House by Wyndham Ernst Leitz Wetzlar geleitet und dort nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Jahren eine führende regionale Marktposition erreicht. Für ihn war deshalb früh klar, dass ein Markenanschluss infrage kam. Allerdings wollte er nicht irgendeine internationale Marke gewinnen, sondern einen Partner finden, der zur bestehenden Identität des Hauses passte.
„Direkt nach meiner Übernahme in Frankfurt haben wir begonnen, nach einer Marke zu suchen, die zu unserem Hotel passt – und nicht nach einem Hotelkonzept, in das wir unser Haus erst hineinpressen müssen.“
Die Wahl fiel auf Vienna House by Wyndham. Das bisherige The Blasky trägt nun den Namen Vienna House by Wyndham Frankfurt South, während das Rooftop-Restaurant und die Bar weiterhin unter ihrer bisherigen Bezeichnung auftreten.¹

Warum ein unabhängiges Hotel seine Marke aufgibt
Für viele Privathoteliers ist die eigene Marke ein wesentlicher Teil ihrer unternehmerischen Identität. Sie können Entscheidungen unmittelbar treffen, ihr Angebot individuell gestalten und müssen sich nicht an die Vorgaben einer internationalen Organisation halten. Diese Freiheit hat allerdings ihren Preis, insbesondere beim Vertrieb und bei der internationalen Sichtbarkeit.
Lichtenberg beschreibt den Frankfurter Hotelmarkt als ausgesprochen wettbewerbsintensiv. Rund 380 Hotels in Frankfurt und Umgebung bilden nach seiner Darstellung das Wettbewerbsumfeld. Viele dieser Häuser profitieren von internationalen Marken, etablierten Vertriebsstrukturen und Kundenbindungsprogrammen. Ein unabhängiges Hotel muss entsprechende Reichweite dagegen weitgehend selbst aufbauen.
„Wir mussten feststellen, dass wir als eigenständiges Haus zunehmend Gefahr liefen, Marktanteile zu verlieren.“
Zwar könne ein Privathotel versuchen, strukturelle Nachteile durch zusätzliche Investitionen in Marketing und Vertrieb auszugleichen. Im Fall des The Blasky wären dafür nach Einschätzung des Direktors jedoch erhebliche Mittel notwendig gewesen. Der Anschluss an Wyndham soll diese Voraussetzungen verändern, ohne dass das Hotel dafür seine gesamte bisherige Positionierung aufgeben muss.
Für andere unabhängige Hoteliers steckt darin eine interessante strategische Überlegung. Die Entscheidung zwischen Eigenständigkeit und Markenanschluss betrifft nicht allein die Frage, welcher Name künftig über dem Eingang steht. Es geht auch darum, welche Investitionen ein Hotel selbst tragen kann und welche Leistungen sich innerhalb eines größeren Netzwerks wirtschaftlicher organisieren lassen.
Eine Operation am offenen Herzen
Wie aufwendig der Wechsel tatsächlich ist, zeigt sich im laufenden Hotelbetrieb. Innerhalb von weniger als drei Monaten musste das bisherige Erscheinungsbild des The Blasky in nahezu allen Bereichen verändert werden, mit denen Gäste in Berührung kommen. Gleichzeitig wurden ein neues Property-Management-System, ein neues Kassensystem und veränderte Arbeitsabläufe eingeführt. Teilweise kamen neue Lieferanten hinzu, außerdem zusätzliche Vorgaben und eine deutlich komplexere Vertriebsstruktur.


Umbau im laufenden Betrieb: die Lobby während der Renovierung und kurz vor der Fertigstellung. Fotos: Vienna House by Wyndham Frankfurt South
Lichtenberg beschreibt diese Phase mit einem ungewöhnlich anschaulichen Vergleich: „Eine solche Umstellung ist im laufenden Betrieb ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen.“

Während Gäste weiterhin einchecken, im Restaurant essen und Veranstaltungen besuchen, müssen Mitarbeiter neue Systeme kennenlernen und sich auf veränderte Abläufe einstellen. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit internationalen Teams aus Vertrieb, Marketing, Markenmanagement und Guest Relations. Wo zuvor persönliche Ansprechpartner und kurze Entscheidungswege den Alltag bestimmten, sind nun deutlich mehr Menschen und Abteilungen beteiligt.
Für den Direktor ist deshalb die Mitarbeiterführung eine der wichtigsten Aufgaben während des Markenwechsels. Die neuen Standards müssen umgesetzt werden, ohne das Team durch die zusätzlichen Anforderungen zu überfordern. Dass bei einer solchen Umstellung auch vermeintliche Kleinigkeiten übersehen werden, hat er bereits erlebt.

„Wir hatten zum Beispiel schlicht vergessen, die Taxiunternehmen zu informieren. Da gab es dann auch den ein oder anderen Gast, der ins falsche Hotel gefahren wurde. Das gehört auch dazu.“
Die Geschichte zeigt, wie weit die Folgen eines Rebrandings reichen können. Nicht nur Buchungssysteme, Internetauftritte und Beschilderungen müssen angepasst werden. Auch externe Dienstleister und langjährige Partner müssen wissen, unter welchem Namen ein Hotel künftig erreichbar ist.
Ein Kindergarten, ein chinesisches Restaurant und ein Tisch aus Manila
Bei aller organisatorischen Veränderung möchte Lichtenberg die Vergangenheit des Gebäudes stärker sichtbar machen. Denn die Geschichte des heutigen Hotels beginnt lange vor seiner Zeit als The Blasky.
Noch bis vor Kurzem befand sich in einem Teil des heutigen Tagungsbereichs ein Kindergarten. Statt diese Vergangenheit bei der Umgestaltung vollständig verschwinden zu lassen, wird sie nun bewusst aufgegriffen. Einer der Tagungsräume erinnert gestalterisch an einen früheren Gruppenraum. Damit soll eine Atmosphäre entstehen, die sich von klassischen Konferenzräumen unterscheidet und Raum für neue Ideen bietet.



Aus alt wird neu: der Tagungsraum Palmengarten vor, während und nach der Renovierung. Fotos: Vienna House by Wyndham Frankfurt South
„Vielleicht sitzt heute ein Gast in einem Meetingraum, in dem er als Kind selbst einmal gespielt hat.“
Wer durch das Haus geht, stößt auf weitere Spuren. 1993 wurde im Erdgeschoss noch chinesisch gekocht, heute sind im Hotel Fotografien, Originalpläne und Archivmaterial aus der Geschichte des Gebäudes zu sehen.¹ Dazwischen hängen Reisefotos, die Mitarbeiter von unterwegs mitgebracht haben. So erzählt das Haus nicht nur von sich selbst, sondern auch von den Menschen, die darin arbeiten.

Besonders eng mit der Geschichte des Gebäudes verbunden ist ein großer Tisch, der heute im Alexander Boardroom steht. Er stammt ursprünglich aus Manila und war bereits bei frühen Planungen und späteren Veränderungen des Hauses ein wichtiger Treffpunkt. Um ihn an seinen heutigen Standort im Erdgeschoss zu bringen, musste er mit erheblichem Aufwand transportiert und sogar verkleinert werden.

Der Tisch ist für Lichtenberg mehr als ein Einrichtungsgegenstand. An ihm lässt sich die Entwicklung des Gebäudes nachvollziehen, das über die Jahre immer wieder neue Nutzungen erfahren hat. Auch die Verbindung zum Eigentümer Alexander Tesler bleibt dadurch sichtbar.¹
Gerade diese persönlichen Details sind für den Direktor ein wichtiger Grund, weshalb Vienna House zur bisherigen Identität des Hotels passt. Innerhalb der Marke sollen die einzelnen Häuser ihre unterschiedlichen Geschichten erzählen können, statt überall nach demselben Gestaltungskonzept aufzutreten.
„Wir haben uns also nicht von unserer Geschichte verabschiedet. Im Gegenteil: Wir können sie heute noch deutlicher zeigen und unseren Gästen auf ganz unterschiedlichen Wegen näherbringen – im Hotelzimmer, bei einer Tagung oder im Rooftop-Restaurant.“
Was der Markenanschluss wirtschaftlich bringen soll
Die Vorteile der neuen Partnerschaft erwartet Lichtenberg insbesondere im Vertrieb. Über Wyndham erhält das Hotel Zugang zu internationalen Vermarktungskanälen und Kundengruppen, die es zuvor nur mit erheblichem eigenem Aufwand erreichen konnte. Dazu zählen Geschäftsreisende, Konzerne, Veranstalter, Reiseunternehmen und Airlines.
Auch beim Einkauf und bei der Steuerung der Vertriebskanäle sieht er wirtschaftliches Potenzial. Eine bessere Verteilung der Buchungen auf unterschiedliche Kanäle könnte beispielsweise die Distributionskosten senken. Gleichzeitig bringt die Zusammenarbeit zusätzliche Anforderungen und Investitionen mit sich, die bei der wirtschaftlichen Betrachtung berücksichtigt werden müssen.
Lichtenberg warnt deshalb davor, einen Markenanschluss als automatische Erfolgsgarantie zu verstehen. Entscheidend sei, ob die neuen Strukturen dem Hotel und seinen Gästen tatsächlich einen Mehrwert bieten.
Für das erste Jahr unter der Marke hält er ein Wachstum von bis zu zwölf Prozent für realistisch. Erste positive Signale seien bereits erkennbar. Ob sich die Erwartungen vollständig erfüllen, wird sich allerdings erst im weiteren Geschäftsbetrieb zeigen.
Besonders wichtig ist dem Direktor das Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft. Hier sieht er im Frankfurter Markt zusätzliche Möglichkeiten, die sich durch die internationale Vertriebsorganisation gezielter erschließen lassen sollen.

35 zusätzliche Zimmer bis Ende 2027
Der Markenwechsel ist zugleich Teil einer größeren Weiterentwicklung des Hotels. Bis Ende 2027 sollen nach den Planungen weitere 35 Zimmer entstehen. Damit würde sich die Kapazität von derzeit 104 auf insgesamt 139 Zimmer erhöhen.
Die zusätzlichen Flächen befinden sich vor allem auf der fünften Etage sowie teilweise im vierten Obergeschoss. Geplant sind unter anderem neue Zimmerkategorien und klassische Twinzimmer, mit denen das Hotel insbesondere Gruppen und Geschäftsreisende flexibler unterbringen möchte. Gerade in nachfrageschwächeren Zeiten könnten solche Angebote helfen, zusätzliche Buchungen zu gewinnen.

Auch die Veranstaltungsbereiche sollen weiterentwickelt werden. Lichtenberg stellt sich vor, dass künftig mehrere unterschiedliche Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden können: beispielsweise eine Feier im Rooftop-Restaurant, eine Vertriebstagung im Erdgeschoss und eine Pressekonferenz mit Blick auf die Frankfurter Skyline.
Ergänzend sind ein Fitnessraum im ehemaligen Turnzimmer des Kindergartens und eine Sauna vorgesehen. Der Hotelgarten soll weiterhin einen ruhigen Rückzugsort bieten.
Die geplanten Investitionen zeigen, dass sich die Verantwortlichen nicht allein auf die zusätzliche Reichweite der neuen Marke verlassen möchten. Auch das Produkt selbst soll weiterentwickelt werden, damit das Hotel unterschiedliche Gästegruppen besser bedienen kann.
Vienna House by Wyndham Frankfurt South
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Zur HotelwebsiteWas andere Hoteliers mitnehmen können
Aus Lichtenbergs Erfahrungen lassen sich für andere Privathoteliers drei Punkte ableiten.

Die Marke muss zum Haus passen. Lichtenberg hat nicht nach dem bekanntesten Namen gesucht, sondern nach einer Marke, in der die Geschichte des Hotels Platz hat. Genau das sei bei Vienna House der Markenkern: Jedes Haus hat seine eigene Geschichte, und diese Geschichte gehört zur Marke.
Das Team trägt den Wechsel. Systeme, Standards und Ratencodes lassen sich in weniger als drei Monaten umstellen. Ob das im Alltag funktioniert, entscheiden die Mitarbeiter. „Denn am Ende bringt das beste System nichts, wenn das Team nicht mitgenommen wird“, sagt Lichtenberg.
Den eigenen Namen dort behalten, wo er stark ist. Das Hotel trägt jetzt den Markennamen, Rooftop-Restaurant und Bar treten weiter als The Blasky auf. „Diese Verbindung ist bewusst gewählt: Wir nutzen die Stärke einer internationalen Marke und bewahren gleichzeitig die Individualität, die unser Haus besonders macht.“



Vom Rohbau 2019 zu Restaurant und Bar The Blasky, die ihren Namen behalten. Fotos: Vienna House by Wyndham Frankfurt South
Wer die Geschichte eines Hauses so sichtbar macht, muss sie mit einem neuen Namen nicht aufgeben. Lichtenberg sagt es so: „Ich sehe die Entwicklung deshalb nicht als Abschied vom bisherigen The Blasky, sondern als nächsten Schritt.“
Dieser Artikel basiert auf einem eigenen redaktionellen Interview und einem Fachmedienbericht zur Eröffnung des Hotels.
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Tageskarte (2026)
Vienna House by Wyndham debütiert in Frankfurt.
Fachmedienbericht vom 5. Oktober 2026. Eröffnung des Hotels mit 104 Zimmern, Restaurant The Blasky und Rooftop-Bar; Alexander Boardroom und Marmortisch.