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Management & WirtschaftInterview

Andreas Buske machte ZWIESEL FORTESSA zum Weltmarktführer für Glas im HoReCa-Bereich

1999 sollte Andreas Buske das Glaswerk in Zwiesel sanieren. Heute stehen seine Gläser in Spitzenhotels weltweit.

Prof. Dr. Andreas Buske im grauen Anzug hält ein Weinglas, hinter ihm Maschinen der Glasproduktion
Prof. Dr. Andreas Buske kam 1999 nach Zwiesel und übernahm das Glaswerk 2001 gemeinsam mit Dr. Robert Hartel. Foto: ZWIESEL FORTESSA
Das Wichtigste in Kürze
  • Prof. Dr. Andreas Buske kam 1999 im Auftrag von Schott nach Zwiesel, um das Glaswerk zu sanieren oder abzuwickeln. 2001 übernahm er es mit Dr. Robert Hartel selbst.
  • Mit einer konsequenten Qualitäts- und Markenstrategie wurde das Sortiment um rund 70 Prozent verkleinert. 2002 folgte das bruch- und spülmaschinenfeste Tritan®-Kristallglas.
  • Heute liefert ZWIESEL FORTESSA Glas, Porzellan und Besteck an Hotels und Restaurants weltweit. Seit Oktober 2025 gehört die Glasmarke Eisch dazu.
  • Mit der Serie Transition hat ZWIESEL FORTESSA Gläser entwickelt, die speziell auf alkoholfreie Getränke ausgerichtet sind.

Für Prof. Dr. Andreas Buske ist ein Weinglas mehr als ein Gegenstand. Wenn er irgendwo auf der Welt ein Glas aus Zwiesel in die Hand bekommt, denkt er an den Bayerischen Wald, an die Menschen im Werk und an eine Entscheidung, die sein Leben verändert hat. „Es ist ein Stück Heimat. Ein Stück Herkunft. Ein Stück Identität“, sagt er im schriftlichen Interview mit eingecheckt®. Dass er einmal so über dieses Unternehmen sprechen würde, war 1999 keineswegs ausgemacht. Damals kam Buske im Auftrag des Schott-Konzerns nach Zwiesel. Seine Aufgabe: ein angeschlagenes Glaswerk sanieren oder dessen Abwicklung vorbereiten.¹

Heute ist aus dem einstigen Sanierungsfall ein international erfolgreiches Unternehmen geworden, das hochwertige Tischkultur entwickelt, produziert und vertreibt. Unter dem Namen ZWIESEL FORTESSA beliefert die Unternehmensgruppe Hotels und Restaurants auf der ganzen Welt. Doch die Geschichte dieses Erfolgs beginnt nicht mit einem außergewöhnlichen Glas oder einer großen Marketingkampagne, sondern mit der Überzeugung zweier Manager, dass ein traditionsreiches Unternehmen mehr Zukunft hatte, als seine damaligen Zahlen vermuten ließen.

Als die Menschen wichtiger wurden als die Zahlen

Der studierte Wirtschaftsingenieur hatte zuvor bei Schott in Mainz in einer Beratungsfunktion gearbeitet.¹ Als er 1999 nach Zwiesel kam, lernte er einen Betrieb kennen, dessen wirtschaftliche Schwierigkeiten im deutlichen Gegensatz zum Können seiner Beschäftigten standen. Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Robert Hartel beschäftigte er sich zunehmend mit der Frage, ob tatsächlich das Unternehmen das Problem war oder vielmehr seine bisherige Ausrichtung.

„Es war weniger ein einzelner Moment als ein allmähliches Hineinwachsen in diese Aufgabe“, erinnert sich Buske. Besonders beeindruckt hätten ihn die Menschen mit ihrer außergewöhnlichen Kompetenz, ihrer Erfahrung und ihrer Verbundenheit zum Werkstoff Glas. Zusammen mit Hartel sei er schließlich zu der Überzeugung gelangt, dass nicht das Unternehmen selbst falsch aufgestellt war, sondern dessen Strategie. Aus einem Sanierungsauftrag wurde eine persönliche unternehmerische Entscheidung.

Ein Glasmacher hält vor dem Hafenofen eine Glasmacherpfeife mit einem frisch geformten Glas in die Höhe und prüft es
Ein Glasmacher prüft vor dem Hafenofen ein mundgeblasenes Glas an der Glasmacherpfeife. Foto: ZWIESEL FORTESSA

2001 übernahmen die beiden Manager das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-outs selbst.² Damit trugen sie fortan nicht nur die Verantwortung für die Sanierung, sondern auch das wirtschaftliche Risiko ihrer Entscheidungen. Die bisherige Ausrichtung auf möglichst große Produktionsmengen sollte einer konsequenten Qualitäts- und Markenstrategie weichen. Der neue Leitsatz lautete: „Marke vor Masse.“

70 Prozent weniger Sortiment – und schwierige Entscheidungen

Was heute nach einer erfolgreichen Markenstrategie klingt, bedeutete damals vor allem schmerzhafte Einschnitte. Rund 70 Prozent des bisherigen Sortiments wurden gestrichen. Das Unternehmen konzentrierte sich wieder auf Produkte, mit denen es sich über Qualität und besondere Eigenschaften vom Wettbewerb unterscheiden konnte. Zugleich mussten Produktionskapazitäten reduziert werden.

„Der schwerste Schritt war dabei sicher der harte Schnitt im Jahr 2001“, sagt Buske rückblickend. Gemeint ist ein personeller Schnitt: Das Unternehmen musste sich damals von einem Teil seiner Belegschaft trennen. Die Neuausrichtung sei notwendig gewesen, um Zwiesel wieder ein erkennbares Profil und eine wirtschaftliche Perspektive zu geben. Heute arbeiten für die Unternehmensgruppe weltweit wieder über 1.000 Menschen.¹

Schon 2002 folgte mit der Entwicklung des Tritan®-Kristallglases ein technologischer Meilenstein. Das Material verbindet hohe Brillanz mit besonderer Bruch- und Spülmaschinenfestigkeit – Eigenschaften, die gerade im Hotel- und Restaurantbetrieb wichtig sind.² Die Verbindung von hochwertiger Gestaltung und Alltagstauglichkeit wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Positionierung. Inzwischen wird ZWIESEL FORTESSA im Weltmarktführer-Index als führendes Unternehmen im Segment Kristallglas für die gehobene Hotellerie und Gastronomie geführt – und wurde ganz aktuell zum 11. Mal in Folge ausgezeichnet.³

Eine Hand mit einer Zange setzt einen glühenden Glastropfen auf ein klares Kristallglas
Glühendes Glas wird von Hand an ein Kristallglas angesetzt. Foto: ZWIESEL FORTESSA

Warum ein gutes Glas allein nicht mehr genügt

Gläser aus Zwiesel kommen heute unter anderem im Berliner Adlon, im Burj Al Arab in Dubai und im Peninsula Hongkong zum Einsatz. Für Buske ist das nicht nur eine Bestätigung der Produktqualität. Wenn er auf Reisen ein Glas aus dem eigenen Unternehmen entdeckt, verbindet er damit vor allem die Menschen, deren handwerkliche Fähigkeiten und Erfahrung hinter seiner Herstellung stehen.

Für einen Hotelier stellt sich die Frage nach einem guten Glas allerdings zunächst wesentlich pragmatischer. Es muss zur Positionierung des Hauses passen, angenehm in der Hand liegen, optisch überzeugen und den Belastungen des täglichen Betriebs standhalten. Darüber hinaus erwartet ein professioneller Gastgeber zuverlässige Lieferungen, Beratung und einen Ansprechpartner, der seine betrieblichen Anforderungen versteht.

Zwei Weingläser im warmen, orangefarbenen Licht einer Bar
Weingläser im warmen Licht einer Bar. Foto: ZWIESEL FORTESSA

Buske beschreibt das Erfolgsrezept seines Unternehmens deshalb als Zusammenspiel von „Hardware, Serviceware und Brandware“. Produktqualität sei nur ein Teil davon. Ebenso wichtig seien Verlässlichkeit, Service und langfristige Kundenbeziehungen. Mit seinem „Easy to Deal With“-Ansatz möchte ZWIESEL FORTESSA die Zusammenarbeit von der Auswahl und Bemusterung bis zur Lieferung und Nachbetreuung möglichst unkompliziert gestalten. Gerade für Hotels, deren Mitarbeiter sich auf den Gast konzentrieren müssen, kann diese Verlässlichkeit wichtiger sein als ein besonders ausgefallenes Einzelprodukt.

Was ZWIESEL FORTESSA von amerikanischen Luxushotels gelernt hat

Ein weiterer entscheidender Entwicklungsschritt folgte 2022 mit der Übernahme des langjährigen US-Partners Fortessa Tableware Solutions. Aus der Zusammenarbeit entstand die heutige ZWIESEL FORTESSA Gruppe, die neben Kristallgläsern auch Porzellan, Besteck und weitere Produkte für den gedeckten Tisch anbietet. Seit Oktober 2025 ergänzt die traditionsreiche Glasmarke Eisch aus dem Bayerischen Wald das Portfolio.⁴

Vor allem der nordamerikanische Markt habe Buskes Sicht auf die Bedürfnisse der Hotellerie verändert. Mit ihrem gesamten Portfolio ist die Gruppe in rund 80 Prozent der Top-Häuser in den USA vertreten. Dort werde der gedeckte Tisch stärker als zusammenhängendes Erlebnis betrachtet, erklärt er. Nicht das einzelne Weinglas oder der besonders schöne Teller stehe im Vordergrund, sondern deren Zusammenspiel.

Gedeckte Tische mit Gläsern, Karaffe und Porzellan im Showroom, an der Wand der Schriftzug ZWIESEL FORTESSA, darüber goldene Pendelleuchten
Gedeckte Tische im Showroom von ZWIESEL FORTESSA. Foto: ZWIESEL FORTESSA

Für europäische Hoteliers ist dieser Gedanke durchaus interessant. Die Ausstattung eines Restaurants ist mehr als eine Sammlung funktionaler Gegenstände. Glas, Porzellan und Besteck prägen gemeinsam, wie Gäste einen Tisch wahrnehmen und welchen Anspruch sie mit dem kulinarischen Angebot verbinden. Die Erweiterung vom Glashersteller zum Anbieter vollständiger Tischkonzepte ist deshalb auch eine Reaktion auf veränderte Erwartungen professioneller Gastgeber.

Alkoholfrei verändert auch die Tischkultur

Wie stark sich diese Erwartungen wandeln, zeigt sich an einem vergleichsweise jungen Thema: der wachsenden Bedeutung alkoholfreier Getränke. Wo früher Wein und klassische Spirituosen die Auswahl hochwertiger Spezialgläser bestimmten, entstehen inzwischen neue Anforderungen durch Sparkling Tea, Kombucha, fermentierte Getränke und aufwendige alkoholfreie Menübegleitungen.

Buske beobachtet darin eine langfristige Veränderung des Konsumverhaltens. Bewusstere Lebensstile und der sogenannte NoLo-Trend – also Getränke ohne oder mit wenig Alkohol – eröffneten auch für Hersteller neue Möglichkeiten. Mit der Glasserie „Transition“ hat ZWIESEL FORTESSA deshalb eine Kollektion entwickelt, die speziell auf die sensorischen Anforderungen moderner alkoholfreier Getränke ausgerichtet ist.⁵

Die Entwicklung verdeutlicht, wie eng die Zukunft eines Zulieferunternehmens mit Veränderungen in der Gastronomie verbunden sein kann. Wenn sich die Trinkgewohnheiten der Gäste verändern, reicht es langfristig nicht aus, ausschließlich bestehende Produkte in neuen Varianten anzubieten. Hersteller müssen verstehen, welche Erlebnisse Hotels und Restaurants künftig ermöglichen möchten.

Die Zukunft liegt auch in den Händen der Glasmacher

Trotz internationaler Expansion und neuer Geschäftsfelder bleibt der Bayerische Wald für Buske ein zentraler Teil der Unternehmensidentität. Das gilt besonders für die Übernahme der Marke Eisch. Deren besondere Kompetenz in der Glasveredelung erweitert nicht nur das Luxussegment der Gruppe. Buske verbindet damit auch den Wunsch, gewachsenes handwerkliches Wissen in der Region zu erhalten.

Dabei geht es längst nicht allein um Tradition. Junge Menschen für die Arbeit mit Glas zu begeistern, bedeutet nach seiner Auffassung auch, ihnen die Verbindung aus moderner Technik, Gestaltung und handwerklichem Können zu vermitteln. Das Unternehmen setzt deshalb auf generationenübergreifenden Wissenstransfer und Entwicklungsmöglichkeiten für seine Beschäftigten.

Ein Handwerker mit Schutzbrille dreht an der Drechselbank eine Holzform, Späne fliegen
An der Drechselbank entsteht eine Holzform für die Handfertigung. Foto: ZWIESEL FORTESSA

Am Ende führt Buskes Geschichte damit zurück zu jenem Glas, das er auf Reisen gelegentlich in die Hand bekommt. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Ankunft in Zwiesel steht das Unternehmen wirtschaftlich und international an einem völlig anderen Punkt. Was sich in seiner Haltung offenbar nicht verändert hat, ist der Blick auf die Menschen hinter den Produkten.

Und woran erkennt ein Hotelgast nun eigentlich ein wirklich gutes Glas? Für Buske entscheidet nicht allein der Preis oder ein auffälliges Design. Es müsse ausgewogen in der Hand liegen, eine gute Haptik und einen stimmigen Klang haben und das Getränk unterstützen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

„Ein wirklich gutes Glas macht den Moment nicht lauter – aber intensiver.“

Vielleicht ist das auch eine passende Beschreibung dessen, was hochwertige Hotellerie ausmacht.

Quellen

Für diesen Artikel wurden ein eigenes schriftliches Interview, Unternehmensinformationen und ergänzende Veröffentlichungen ausgewertet.

  1. ZWIESEL FORTESSA (2026)
    Management
    Unternehmenswebsite, abgerufen am 30.10.2026. Lebenslauf von Prof. Dr. Andreas Buske, Wechsel nach Zwiesel 1999, Management-Buy-out und Unternehmenskennzahlen.
  2. Wirtschaftsforum (2023)
    Glas mit ganz eigener Note
    Interview mit Prof. Dr. Andreas Buske. Management-Buy-out 2001, Konzentration auf die Marke und Entwicklung des Tritan®-Kristallglases 2002.
  3. Weltmarktführer-Index DACH (2026)
    Zwiesel Kristallglas AG
    Unternehmensprofil, abgerufen am 30.10.2026. Klassifizierung als Weltmarktführer im Segment Kristallglaserei für gehobene Hotellerie und Gastronomie.
  4. ZWIESEL FORTESSA (2025)
    Presse & News
    Pressemitteilungen 2025 und 2026. Integration von Fortessa Tableware Solutions 2022, Umfirmierung in ZWIESEL FORTESSA AG und Erweiterung des Portfolios.
  5. Zwiesel Glas (2026)
    Serie Début
    Produktseite, abgerufen am 30.10.2026. Gläserkollektion für alkoholfreie Getränke wie Sparkling Tea, Kombucha und Mocktails; für Hotellerie und Gastronomie als Serie Transition.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Prof. Dr. Andreas Buske, Vorstand der ZWIESEL FORTESSA AG, Oktober 2026.