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Zwischen Hochglanz und Wirklichkeit – wie Hotelfotografie die Erwartungen der Gäste prägt

Hotelfotograf Tom River erzählt, warum gute Hotelbilder lange vor dem Auslösen beginnen – und wo Inszenierung endet.

Tom River sitzt lächelnd neben einem Studioscheinwerfer auf einem Holzstativ vor grauem Hintergrund
Tom River in seinem Fotostudio. Foto: © Tom River Photography
Das Wichtigste in Kürze
  • Hotelfotograf Tom River fotografiert seit mehr als 30 Jahren Hotels, von internationalen Marken bis zu inhabergeführten Häusern.
  • Ein Shooting beginnt Tage vorher: Betten, Vorhänge und Licht werden vorbereitet. HDR-Aufnahmen zeigen Raum und Fensterblick so, wie das Auge sie sieht.
  • Er empfiehlt pro Zimmerkategorie vier Zimmeraufnahmen und ein Badfoto – lieber weniger Bilder, dafür hochwertige.
  • Seine Grenze: keine Deko oder Ausstattung, die der Gast später nicht vorfindet, und keine KI-generierten Zimmer.

Ein zerknittertes Bett, ein schief hängender Vorhang oder ein Fenster, hinter dem nur eine weiße Fläche zu erkennen ist: Was auf einem Hotelbild wie eine Kleinigkeit erscheint, kann den ersten Eindruck eines potenziellen Gastes erheblich verändern. Der Fotograf Tom River beschäftigt sich seit Jahrzehnten damit, Hotels möglichst vorteilhaft in Szene zu setzen. Im Interview mit eingecheckt erzählt er, warum professionelle Hotelaufnahmen lange vor dem ersten Auslösen beginnen, weshalb er bei der Bildbearbeitung auf Perfektion setzt und wo für ihn die Grenze zwischen gelungener Präsentation und falschen Versprechungen verläuft.

Doppelbett mit weißer Bettwäsche vor einer blauen Wand mit vier gerahmten Collagen von Münchner Sehenswürdigkeiten
Hotelzimmer mit Kunstwerken voller München-Motive über dem Kopfteil – Ramada Encore Munich Messe by Wyndham. Foto: © Tom River Photography

Ein Hotelzimmer ist vorbereitet, die Betten sind gemacht und sämtliche Oberflächen gereinigt. Für den normalen Hotelbetrieb wäre der Raum längst bereit, den nächsten Gast zu empfangen. Für Tom River beginnt an diesem Punkt häufig erst die eigentliche Arbeit. Der Fotograf betrachtet den Raum mit anderen Augen. Sind die Kopfkissen prall genug? Fällt der Vorhang gleichmäßig? Steht der Stuhl an der richtigen Stelle? Und wie lässt sich verhindern, dass das helle Tageslicht durch die Fenster später große Teile der Aufnahme überstrahlt?

River ist Hotelfotograf und seit mehr als drei Jahrzehnten in der professionellen Fotografie tätig. Was für Außenstehende nach dem schnellen Fotografieren eines frisch gereinigten Hotelzimmers aussehen mag, ist für ihn ein sorgfältig vorbereiteter Arbeitsprozess. Manchmal muss eine Bettdecke mehrfach glatt gezogen werden, gelegentlich werden Kopfkissen ausgetauscht oder Möbel zurechtgerückt. Selbst die Farbtemperatur einer Glühbirne kann darüber entscheiden, ob ein Raum auf dem fertigen Bild harmonisch wirkt.

Hinter diesem Aufwand steht eine Überzeugung, die River gegenüber unserer Redaktion mehrfach deutlich macht: Ein Hotel kann in der Realität noch so überzeugend sein. Wenn seine Bilder das nicht vermitteln, ist der Gast schnell wieder von der Website verschwunden.

Von der Kamera seiner Mutter zum Hotelfotografen

Die Leidenschaft für Fotografie begann bei Tom River nicht mit Hotels, sondern innerhalb der eigenen Familie. Seine Mutter fotografierte häufig bei Geburtstagen und im Urlaub. Immer öfter griff er selbst zur Kamera und entdeckte, wie viel Freude es ihm bereitete, seine Umgebung in Bildern festzuhalten. Bald kaufte er sich eine eigene Spiegelreflexkamera und fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam.

Aus dem Hobby entwickelte sich schließlich der Wunsch, die Fotografie zum Beruf zu machen. River begann eine Lehre in den CTC-Fotostudios mit dem Schwerpunkt Werbe- und Modefotografie. Seine heutige Spezialisierung auf Hotels entstand allerdings nicht aus einer früh festgelegten Karriereplanung. Ihn reizte die Möglichkeit, beruflich durch ganz Deutschland zu reisen und immer wieder neue Häuser kennenzulernen.

Dazu kam die besondere Herausforderung, die Räume eines Hotels fotografisch überzeugend darzustellen. Im Gegensatz zu einem klassischen Werbeshooting lassen sich die wesentlichen Bestandteile eines Hotelzimmers schließlich nicht beliebig verändern. Architektur, Einrichtung, Raumgröße und Lichtverhältnisse sind weitgehend vorgegeben. Die Aufgabe besteht darin, innerhalb dieser Rahmenbedingungen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

„Ein Hotel vorteilhaft abzulichten, ist eine Kunst“, sagt River. Auf jedes Detail zu achten, bevor der Auslöser betätigt werde, sei für ihn immer wieder eine kleine Herausforderung. Er bezeichnet sich selbst als Perfektionisten, für den bei einer fertigen Aufnahme alles stimmen müsse.

Inzwischen fotografiert River sowohl für größere Hotelmarken als auch für unabhängige und inhabergeführte Häuser. Auf seiner Website präsentiert er unter anderem Arbeiten und Referenzen aus der internationalen Markenhotellerie sowie von kleineren Betrieben.¹ Die Unterschiede zwischen diesen Häusern mögen groß sein, die grundlegende Aufgabe bleibt für ihn dieselbe: Die tatsächlichen Qualitäten eines Hotels sollen auf den Bildern erkennbar werden.

Tom River sitzt mit einer Mamiya-Mittelformatkamera neben einem Studioscheinwerfer auf einem Stativ
Tom River mit seiner Mittelformatkamera im Fotostudio. Foto: © Tom River Photography

Warum ein gutes Hotel auf schlechten Fotos verlieren kann

Wer schon einmal ein Hotel im Internet gesucht hat, kennt das Problem. Zwei Häuser liegen in derselben Preisklasse, verfügen über eine vergleichbare Ausstattung und befinden sich möglicherweise sogar in derselben Straße. Trotzdem wirkt eines auf den ersten Blick deutlich ansprechender als das andere. Nicht unbedingt, weil es tatsächlich besser ist, sondern weil die Bilder ein überzeugenderes Gesamtbild vermitteln.

River erlebt diese Unterschiede regelmäßig. Seiner Ansicht nach besteht einer der größten Fehler in der Hotelfotografie darin, dass die tatsächlichen Vorzüge eines Hauses auf den Bildern nicht ausreichend zur Geltung kommen. Manche Hotels würden durch ihre eigenen Aufnahmen schlechter erscheinen, als sie in Wirklichkeit seien.

Besonders häufig begegnen ihm technische und gestalterische Probleme. Stark überbelichtete Fenster lassen den Blick nach draußen verschwinden, der Vorhang wirkt wie weggebrannt. Lampenschirme erscheinen nur noch als grelle gelbe Flecken, und sogenannte stürzende Linien vermitteln den Eindruck, als würde das ganze Bild kippen. Hinzu kommen faltige Betten – für River ein besonders ärgerlicher Fehler, denn gerade darauf legen Gäste großen Wert.

River hält es außerdem für wichtig, dass jede Zimmerkategorie ausreichend dokumentiert wird. Seine Empfehlung lautet, pro Zimmerkategorie vier Aufnahmen des Zimmers und zusätzlich eine Badezimmeraufnahme bereitzustellen. So sieht der Gast den Raum von jeder Seite – und weiß, was er bekommt. „Sieht der Gast nur wenige Aufnahmen und nur Ausschnitte vom Zimmer, warum sollte er dann buchen?“, fragt River.

Dahinter steht ein nachvollziehbarer Gedanke: Wer ein Hotelzimmer bucht, möchte nicht nur einen dekorativen Ausschnitt der Einrichtung sehen. Er möchte verstehen, wie der Raum aufgebaut ist, welche Ausstattung ihn erwartet und ob er sich dort wohlfühlen könnte.

Dass solche Überlegungen über persönliche Einschätzungen eines Fotografen hinausgehen, zeigt eine 2023 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung. Forschende analysierten 1.350 Hotelbilder von 225 Vier-Sterne-Hotels in Barcelona und untersuchten Zusammenhänge zwischen Bildgestaltung und beobachteten Buchungsereignissen. Die Ergebnisse zeigen, dass gestalterische Merkmale von Hotelbildern – etwa Licht, Farbgebung und Aufnahmewinkel – bei der digitalen Buchungsentscheidung eine Rolle spielen können.² Die visuelle Präsentation eines Hauses ist also keineswegs eine nebensächliche Marketingaufgabe.

Auch die Expedia Group betont in ihren offiziellen Empfehlungen zur Hotelfotografie die Bedeutung hochwertiger, gut ausgeleuchteter und authentischer Aufnahmen. Besonders hervorgehoben werden gerade Linien, eine realistische Darstellung der Raumgröße und eine ausreichende Bildqualität.³

Für Hoteliers bedeutet das: Die Entscheidung über neue Hotelbilder sollte nicht erst dann auf der Tagesordnung stehen, wenn die Website technisch erneuert oder ein größerer Umbau abgeschlossen wird.

Ein Fotoshooting beginnt Tage vor dem ersten Bild

Wie viel Vorbereitung hinter professionellen Hotelaufnahmen steckt, wird besonders deutlich, wenn River einen typischen Auftrag beschreibt.

Hotelzimmer mit Doppelbett, orangefarbenem Ohrensessel, goldenem Beistelltisch und bodentiefen Fenstern mit weißen Gardinen
Helles Hotelzimmer mit Doppelbett, Sessel und großer Fensterfront – Aspire Palais. Foto: © Tom River Photography

Bereits einige Tage vor dem eigentlichen Shooting bespricht er mit dem Hoteldirektor, welche Räume fotografiert werden sollen und welche Wünsche das Hotel an die fertigen Aufnahmen hat. Dabei gibt er konkrete Tipps, worauf geachtet und was vorbereitet werden sollte. Auf seiner Website stellt er dafür eine Checkliste bereit, in der alles Wichtige für den Fototermin genau beschrieben ist.

Am Tag vor den Aufnahmen geht River die vorgesehenen Räume gemeinsam mit dem Hoteldirektor durch. Dabei kann er noch auf Dinge aufmerksam machen, die geändert werden sollten – denn im Hotelalltag wird schnell das eine oder andere übersehen.

Besonders viel Aufmerksamkeit widmet der Fotograf den Betten. Selbst ein frisch gemachtes Hotelbett entspricht nicht immer den Anforderungen einer professionellen Aufnahme. Kopfkissen werden ausgetauscht, wenn sie nicht prall genug sind oder zwei unterschiedliche Kissen auf dem Bett liegen. Bettdecken werden glatt gezogen und sorgfältig ausgerichtet. Meist hilft ihm dabei die Hausdame.

Selbst wenn mehrere Menschen gemeinsam versuchen, die Bettwäsche möglichst faltenfrei herzurichten, lässt sich nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielen. Dann muss River später mit Photoshop nachhelfen – ein Arbeitsschritt, der zusätzliche Zeit kostet.

Anschließend folgen die übrigen Details des Raumes. Vorhänge müssen ordentlich fallen, Stühle zurechtgerückt werden und kleinere Gegenstände wie Wasserflaschen oder Fernbedienungen ihren passenden Platz finden. Wo es möglich ist, tauscht River sogar die vorhandenen Glühbirnen gegen Tageslichtbirnen aus, um einen Gelbstich im Raum zu vermeiden.

Erst wenn diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche fotografische Arbeit mit der Suche nach geeigneten Blickwinkeln.

Die Beschreibung zeigt, wie eng professionelle Hotelfotografie mit dem täglichen Hotelbetrieb verbunden ist. Ein Fotograf kann zwar Licht, Perspektive und Bildbearbeitung beeinflussen. Damit eine Aufnahme überzeugend wird, müssen aber auch Housekeeping, Hotelleitung und gegebenenfalls weitere Abteilungen mitarbeiten. Für Hotels ist deshalb nicht nur die Wahl des Fotografen entscheidend, sondern ebenso die Vorbereitung des gesamten Teams.

Warum das menschliche Auge mehr sieht als eine Kamera

Zu den technischen Besonderheiten von Rivers Arbeit gehört die HDR-Fotografie. Die Abkürzung steht für High Dynamic Range und bezeichnet Verfahren, mit denen ein besonders großer Helligkeitsumfang dargestellt werden kann.

Das Problem kennt jeder, der schon einmal einen Innenraum mit hellem Fenster fotografiert hat. Wird die Kamera auf das dunklere Zimmer eingestellt, erscheint der Außenbereich häufig viel zu hell. Wird dagegen die Landschaft vor dem Fenster korrekt belichtet, wirkt das Zimmer unter Umständen zu dunkel. Das menschliche Auge kann solche Helligkeitsunterschiede wesentlich besser ausgleichen als eine einzelne konventionelle Aufnahme.

Hier setzt River mit seiner HDR-Technik an. Er erstellt mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen und fügt diese anschließend zu einem Gesamtbild zusammen. Dadurch lassen sich sowohl helle Fensterbereiche als auch dunklere Partien des Raumes differenziert darstellen. Auf seiner Website demonstriert er dieses Verfahren anhand konkreter Belichtungsreihen.⁴

Hotelzimmer mit Doppelbett, Schreibtisch, Fernseher und Sprossenfenster, bei dem Fenster und Wandleuchten ohne Überstrahlung abgebildet sind
HDR-Aufnahme: Fenster und Lampen ohne Überstrahlung, der Raum bleibt trotzdem hell – Gasthaus „Zur Krone“, Großheubach. Foto: © Tom River Photography

River versteht diese Form der Bearbeitung nicht als künstliche Verschönerung, sondern als Möglichkeit, den Raum so abzubilden, wie ihn das menschliche Auge sieht. Die fertige Aufnahme zeige das Zimmer im Wesentlichen so, wie es auch in der Realität sei – außer dass das Bett auf dem Foto meist glatter aussehe.

Neben dem Helligkeitsumfang werden auch perspektivische Verzerrungen korrigiert. Gerade bei Innenräumen ist das wichtig, weil schräg verlaufende Wände oder unnatürlich wirkende Raumproportionen den Gesamteindruck beeinträchtigen können.

Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung werfen allerdings eine weitere Frage auf: Wenn eine professionelle Aufnahme möglichst perfekt wirken soll, wie weit darf diese Perfektion gehen?

Zwischen perfekter Inszenierung und falschen Versprechungen

Für Tom River ist die Grenze vergleichsweise klar. Ein Hotel sollte auf seinen Bildern keine Ausstattung oder Leistungen versprechen, die der Gast später nicht vorfindet.

Als Beispiele nennt er Blumensträuße oder einen Sektkühler samt Sekt, die ausschließlich für die Fotoaufnahmen im Zimmer platziert werden. „Sieht zwar gut aus, ist aber nicht vorhanden, wenn der Gast kommt. Das sollte man lassen.“

Auch die früher häufiger verwendete Dekoration mit Jacke, Koffer, Schuhen oder einem Laptop hält River heute nicht mehr für zeitgemäß.

Seiner Auffassung nach besteht die Aufgabe eines Hotelfotografen nicht darin, eine andere Wirklichkeit zu erschaffen. Vielmehr sollen vorhandene Räume möglichst überzeugend präsentiert werden. Dass die fertige Aufnahme dabei ästhetischer wirkt als ein zufälliger Schnappschuss, sieht er ganz pragmatisch: „Natürlich sieht die fertige Aufnahme perfekter aus. Aber das ist eben Marketing, und die Aufnahme soll ja auch verkaufen.“

Diese Unterscheidung gewinnt gerade durch die zunehmenden Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung an Bedeutung. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Entfernen einer Falte aus der Bettdecke und dem nachträglichen Vergrößern eines Zimmers, dem Hinzufügen nicht vorhandener Ausstattungsmerkmale oder der vollständigen Erzeugung eines fiktiven Hotelinterieurs.

Auch Buchungsplattformen beschäftigen sich inzwischen ausdrücklich mit dieser Problematik. In ihren am 24. August 2026 aktualisierten Inhaltsrichtlinien untersagt die Expedia Group irreführende Darstellungen. Das gilt ausdrücklich auch für mithilfe generativer künstlicher Intelligenz erzeugte oder veränderte Inhalte, wenn diese eine Unterkunft falsch wiedergeben.⁵

Für Hoteliers ergibt sich daraus eine wichtige Abgrenzung. Professionelle Fotografie soll ein Hotel attraktiv präsentieren, darf dabei aber nicht das Vertrauen beschädigen, das sie eigentlich aufbauen soll.

Wenn künstliche Intelligenz plötzlich Hotelzimmer erschafft

Die Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz hat die Möglichkeiten der Bildproduktion innerhalb weniger Jahre erheblich verändert. Räume lassen sich digital neu möblieren, Lichtstimmungen verändern und ganze Innenausstattungen erzeugen, ohne dass diese jemals fotografiert worden sein müssen.

River betrachtet diese Entwicklung gelassen. Zwar könne künstliche Intelligenz durchaus eine schöne Zimmeraufnahme erstellen. Doch dieses Zimmer existiere nicht – und der Gast finde es bei seiner Ankunft auch nicht vor. Für River ist die Sache deshalb eindeutig: „Da gehen nur echte Fotos!“ Eine Bedrohung für seine Arbeit sieht er in generativer KI nicht.

Ebenso wenig überzeugt ihn die Vorstellung, dass Smartphones professionelle Hotelfotografie ersetzen könnten. River hat schon einige Hotelwebsites mit Handyfotos gesehen und dabei immer wieder dieselben Probleme beobachtet: unterbelichtete Räume, stürzende Linien, weil die Bilder nicht bearbeitet werden, und faltige Betten, weil vor der Aufnahme niemand auf die Details geachtet hat. Damit verschrecke man eher den Gast, sagt River. Schließlich erwarte dieser für sein Geld auch eine gewisse Leistung.

Der entscheidende Unterschied liegt für ihn deshalb weniger in der verwendeten Kamera als in der Erfahrung des Menschen dahinter. Ein professioneller Fotograf entscheidet nicht nur über Belichtungszeit, Brennweite oder Bildbearbeitung. Er erkennt auch, welche Perspektive einen Raum glaubwürdig vermittelt und welche Details vor der Aufnahme korrigiert werden sollten. Wer sein Hotel positiv präsentieren möchte, bucht aus Rivers Sicht deshalb einen guten Fotografen, der auch HDR-Aufnahmen erstellen kann.

Vom Badezimmer bis zum Frühstück: Das gesamte Hotel zählt

Hotelbad mit gläserner Eckdusche, rechteckigem Aufsatzwaschbecken, rundem Spiegel und WC
Badezimmer mit Dusche, Waschtisch und WC – Aspire Palais. Foto: © Tom River Photography

Wer über Hotelfotografie spricht, denkt zunächst häufig an großzügige Suiten, elegante Lobbys oder eindrucksvolle Außenansichten. Für die Buchungsentscheidung sind jedoch auch wesentlich alltäglichere Bereiche von Bedeutung.

Ein Badezimmer beispielsweise mag fotografisch weniger spektakulär sein als ein Wellnessbereich mit Panoramablick. Für einen Gast können seine Ausstattung und sein Zustand dennoch ein wesentliches Auswahlkriterium sein. Nicht ohne Grund gehört die Badaufnahme für River zu jeder Zimmerkategorie fest dazu.

Ähnliches gilt für gastronomische Angebote. River selbst würde ein Hotel nur buchen, wenn ihm die Zimmer auf den Fotos gefallen und er ein ansprechendes Frühstücksbuffet sieht. Sonst würde er nach eigener Aussage ganz schnell zur Website eines anderen Hotels wechseln – und er ist überzeugt, dass es vielen Gästen genauso geht.

Frühstücksbuffet mit Brötchenkörben, Müslispendern, Saftbehältern und Holzregalen vor einer Fensterfront
Frühstücksbuffet mit Gebäck, Müsli und Getränkestation – Ramada Encore Munich Messe by Wyndham. Foto: © Tom River Photography

Seine Haltung zeigt, wie genau Gäste bei der Hotelwahl hinschauen – und wie unterschiedlich die Erwartungen an die visuelle Präsentation eines Hauses sein können. Für einen Geschäftsreisenden mag der Arbeitsplatz im Zimmer besonders wichtig sein. Familien interessieren sich möglicherweise für die Schlafmöglichkeiten der Kinder, während andere Gäste vor allem Restaurant, Wellnessbereich oder die Aussicht beurteilen möchten.

Eine sorgfältig geplante Bildauswahl sollte deshalb nicht ausschließlich die spektakulärsten Motive zeigen. Sie muss auch jene Informationen vermitteln, die unterschiedliche Gästegruppen für ihre Entscheidung benötigen.

Können professionelle Hotelfotos die Buchungszahlen erhöhen?

Die wirtschaftliche Frage liegt nahe. Professionelle Hotelfotografie kostet Geld, häufig müssen Zimmer vorübergehend für Aufnahmen bereitgestellt und Mitarbeitende in die Vorbereitung eingebunden werden. Entsprechend möchten Hoteliers wissen, ob sich dieser Aufwand tatsächlich auszahlt.

River berichtet, dass er immer wieder positive Rückmeldungen von Hoteldirektoren erhält. Nach neuen Aufnahmen würden diese eine bessere Wahrnehmung ihres Hauses oder Veränderungen bei der Nachfrage beobachten. Dass sich der Einfluss neuer Bilder nur schwer exakt messen lässt, weiß River selbst – die Rückmeldungen beruhen auf den Eindrücken der jeweiligen Hotelleitungen.

Schließlich hängen Buchungen von zahlreichen Faktoren ab. Preisgestaltung, Lage, Bewertungen, Saison, Verfügbarkeit und die allgemeine Nachfrage können gleichzeitig eine Rolle spielen. Neue Hotelbilder entstehen zudem häufig im Zusammenhang mit Renovierungen oder einer Überarbeitung des gesamten Internetauftritts.

Dennoch spricht vieles dafür, die Qualität der eigenen Bilder regelmäßig zu hinterfragen. Die wissenschaftliche Untersuchung aus Barcelona und die Empfehlungen einer großen Buchungsplattform zeigen, dass die visuelle Präsentation eines Hauses ein relevanter Bestandteil seiner digitalen Vermarktung ist.² ³

Ein Hotel, dessen tatsächliche Stärken auf den Bildern nicht sichtbar werden, verschenkt möglicherweise Aufmerksamkeit, bevor ein potenzieller Gast überhaupt dazu kommt, Preise oder Bewertungen zu vergleichen.

Lieber weniger Bilder – aber die richtigen

Besonders interessant für kleinere Hotels ist Rivers Empfehlung zum Umgang mit begrenzten Marketingbudgets.

Wer sich kein umfangreiches Fotoshooting leisten könne, solle aus seiner Sicht nicht an der Qualität sparen. Stattdessen empfiehlt er, lieber weniger Aufnahmen produzieren zu lassen – dafür aber hochwertige, die den Gast begeistern und die Schönheit des Hotels widerspiegeln. Auf HDR-Fotografie würde er dabei keinesfalls verzichten. „Man möchte ja die Buchungszahlen erhöhen, und das geht nur mit sehr guten Aufnahmen.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes kleinere Hotel zwangsläufig denselben fotografischen Aufwand betreiben muss wie ein internationales Luxushotel. Entscheidend ist vielmehr, Prioritäten zu setzen. Welche Zimmerkategorien werden besonders häufig gebucht? Welche Bereiche unterscheiden das eigene Haus von vergleichbaren Betrieben? Und welche wichtigen Informationen fehlen möglicherweise noch in der vorhandenen Bildauswahl?

Gerade hier kann eine sorgfältige Vorbereitung helfen, das verfügbare Budget sinnvoll einzusetzen. Wer vor dem Shooting bereits weiß, welche Motive benötigt werden, die betreffenden Räume vorbereitet und sämtliche Beteiligten rechtzeitig einbindet, schafft bessere Voraussetzungen für einen effizienten Fototermin.

River ist überzeugt, dass die Mitbewerber eines Hotels längst mit sehr guten Aufnahmen arbeiten. Da müsse man mithalten können.

Was Hoteliers von einem Fotografen lernen können

Die Arbeit von Tom River zeigt, dass überzeugende Hotelfotografie weit mehr umfasst als die technische Fähigkeit, einen Raum korrekt zu belichten. Sie beginnt mit der Frage, was ein Hotel auszeichnet und welche Erwartungen seine künftigen Gäste mitbringen.

Daraus ergeben sich auch für Hoteliers einige praktische Überlegungen. Sind sämtliche Zimmerkategorien ausreichend dokumentiert? Zeigen die vorhandenen Bilder die Räume vollständig und aus nachvollziehbaren Perspektiven? Sind Badezimmer, Frühstücksbereiche und wichtige Ausstattungsmerkmale angemessen vertreten? Und entsprechen die Aufnahmen überhaupt noch dem aktuellen Zustand des Hauses?

Besonders bei Renovierungen oder Veränderungen im Angebot können ältere Bilder schnell problematisch werden. Während fehlende Aufnahmen von modernisierten Bereichen die tatsächlichen Qualitäten eines Hotels verbergen, können veraltete oder übermäßig inszenierte Darstellungen Erwartungen wecken, die bei der Anreise nicht erfüllt werden.

Die Herausforderung besteht darin, Attraktivität und Glaubwürdigkeit miteinander zu verbinden. Das gilt für ein kleines Privathotel ebenso wie für ein international geführtes Haus.

Tom River begegnet dieser Aufgabe mit einer ausgeprägten Liebe zum Detail. Für ihn gehören ein sorgfältig ausgerichteter Stuhl, ein ordentlich fallender Vorhang und eine harmonische Lichtverteilung ebenso zum Handwerk wie Kamera, Objektiv und Bildbearbeitung. Die technische Perfektion ist dabei kein Selbstzweck, sondern soll die vorhandenen Qualitäten eines Hotels für den Betrachter sichtbar machen.

Hotelzimmer mit petrolfarbener Wand, Doppelbett, frei stehender Wand mit Fernseher, Sessel, Sofa und runden Couchtischen vor einem Fenster mit Vorhängen
Studiozimmer mit Bett, frei stehender TV-Wand und Sitzbereich am Fenster – Spark by Hilton Sindelfingen. Foto: © Tom River Photography

Dass am Ende selbst die Bettwäsche manchmal noch digital geglättet werden muss, gehört für ihn zum Alltag. An den tatsächlichen Eigenschaften des Zimmers soll das jedoch nichts ändern.

Vielleicht lässt sich der Anspruch an professionelle Hotelfotografie gerade daran besonders gut erkennen: Ein Hotel muss auf seinen Bildern nicht anders aussehen, als es tatsächlich ist. Es sollte nur nicht schlechter aussehen, als es sein könnte.

Über Tom River

Tom River ist professioneller Werbe- und Hotelfotograf mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung. Er fotografiert für unabhängige Hotels, inhabergeführte Betriebe und internationale Hotelmarken. Zu seinen Schwerpunkten gehören Hotel- und Interieurfotografie, HDR-Aufnahmen, Bildretusche und virtuelle 360°-Rundgänge.

Weitere Informationen und Arbeitsbeispiele:

Bildmaterial: © Tom River Photography. Die Hotelaufnahmen und das Porträt wurden der Redaktion von Tom River zur Verfügung gestellt.

Quellen

Für diesen Artikel wurden ein eigenes redaktionelles Interview, wissenschaftliche Forschung sowie Originalinformationen des Fotografen und der Expedia Group ausgewertet.

  1. Tom River Photography (2026)
    Offizielle Website.
    Website, abgerufen im Oktober 2026. Informationen zur Hotelfotografie, Arbeitsweise und Kundenreferenzen.
  2. Cuesta-Valiño et al. (2023)
    The effects of the aesthetics and composition of hotels’ digital photo images on online booking decisions.
    Fachartikel in Humanities and Social Sciences Communications, veröffentlicht am 15. Februar 2023. Untersuchung von 1.350 Bildern aus 225 Vier-Sterne-Hotels in Barcelona.
  3. Expedia Group (2021)
    Photo Toolkit: How to attract guests with stunning photography.
    Offizielle Qualitätsrichtlinien für Partner (PDF). Empfehlungen zu Bildgestaltung, Auflösung und Authentizität von Hotelaufnahmen.
  4. Tom River Photography (2026)
    Aufnahmetechnik.
    Website, abgerufen im Oktober 2026. Erläuterungen zur HDR-Fotografie, zu Belichtungsreihen und zur Bildretusche mit praktischen Bildbeispielen.
  5. Expedia Group (2026)
    Content Guidelines.
    Richtlinie, aktualisiert am 24. August 2026. Regeln zu irreführenden Darstellungen und zum Einsatz generativer KI.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Tom River, Hotel- und Werbefotograf, Oktober 2026.