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Trends & Studien

Ostdeutschland stellt die meisten der 521 Bewerbungen um Landtourismus-Förderung

521 Projekte bewerben sich um eine Million Euro für den Landtourismus. Mehr als die Hälfte kommt aus Ostdeutschland.

Zwei Personen spazieren auf einem sonnigen Weg durch einen grünen Nadelwald.
Naturerlebnisse abseits der Städte stehen im Mittelpunkt des Projektwettbewerbs „NaturMomente“. Symbolbild. Foto: © Airbnb / NaturMomente
Das Wichtigste in Kürze
  • 521 Projekte bewerben sich beim Wettbewerb „NaturMomente“ von Airbnb und Deutschem Tourismusverband um eine Million Euro für ländlichen Tourismus.
  • 283 Bewerbungen und damit 54,3 Prozent kommen aus den fünf ostdeutschen Flächenländern; Sachsen-Anhalt liegt mit 64 gleichauf mit Niedersachsen vorn.
  • Gefördert werden nur 10 bis 40 Projekte. Die Gewinner sollen Ende November 2026 bekannt gegeben werden.
  • Ob Hotels und Pensionen profitieren, hängt laut DTV davon ab, dass neue Angebote mit den Betrieben vor Ort vernetzt werden.

Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit der niedrigsten Tourismusintensität Deutschlands. Gleichzeitig liegt es bei einem bundesweiten Förderwettbewerb für ländlichen Tourismus gemeinsam mit Niedersachsen an der Spitze. Insgesamt haben sich 521 Projekte um eine Million Euro beworben, mehr als die Hälfte davon aus Ostdeutschland. Hinter den Zahlen stehen Fragen, die weit über den Wettbewerb von Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband hinausreichen: Warum ist das Interesse gerade im Osten so groß, wer profitiert von neuen touristischen Angeboten – und welche Rolle spielen dabei bestehende Hotels und Pensionen?

Sachsen-Anhalt verzeichnete 2025 rund 3.856 touristische Übernachtungen je 1.000 Einwohner. Das ist einer der niedrigsten Werte unter den deutschen Bundesländern und deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt von 5.952.¹ Trotzdem stammt ausgerechnet aus diesem Bundesland eine der größten Gruppen von Bewerbern für den Projektwettbewerb „NaturMomente“. 64 Projekte wurden eingereicht, genauso viele wie aus Niedersachsen. Dahinter folgen Sachsen mit 60 sowie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 58 Bewerbungen.²

Der gemeinsame Wettbewerb von Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband (DTV) soll touristische Initiativen in ländlichen Regionen unterstützen, die bisher vergleichsweise wenig vom Tourismus profitieren. Airbnb stellt dafür eine Million Euro zur Verfügung. Insgesamt gingen 521 gültige Bewerbungen ein, davon 283 aus den fünf ostdeutschen Flächenländern. Das entspricht 54,3 Prozent aller Einreichungen.²

Die geografische Verteilung wirft Fragen auf, die sich aus den Bewerbungszahlen allein nicht beantworten lassen. Wir haben deshalb beim Deutschen Tourismusverband nachgefragt und die Ergebnisse mit regionalen Tourismusstatistiken sowie den Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs verglichen.

Warum gerade Ostdeutschland?

Die Zahlen gewinnen zusätzlich an Aussagekraft, wenn man die Einwohnerzahl der jeweiligen Bundesländer berücksichtigt. Niedersachsen hat mit rund acht Millionen Einwohnern fast viermal so viele Menschen wie Sachsen-Anhalt mit etwa 2,12 Millionen. Trotzdem haben sich aus beiden Ländern jeweils 64 Projekte beworben. Bezogen auf eine Million Einwohner entspricht das rund acht Bewerbungen in Niedersachsen gegenüber gut 30 in Sachsen-Anhalt.³

Noch deutlicher fällt der Vergleich zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern aus. Während aus Bayern mit rund 13,25 Millionen Einwohnern 46 Bewerbungen eingingen, waren es aus Mecklenburg-Vorpommern mit nur etwa 1,57 Millionen Einwohnern 58. Umgerechnet auf die Bevölkerung liegt die Bewerbungsintensität in Mecklenburg-Vorpommern damit etwa 10,6-mal so hoch wie in Bayern.³

Diese Berechnung zeigt eine überdurchschnittliche Beteiligung, erklärt aber noch nicht deren Ursachen.

Olaf Bentlage, Pressesprecher des Deutschen Tourismusverbandes, verweist in seinen schriftlichen Antworten auf die vielen ländlich geprägten Regionen Ostdeutschlands, die über touristisches Potenzial verfügen, aber noch nicht zu den etablierten Reisezielen gehören. Der Wettbewerb treffe dort offenbar auf einen besonderen Unterstützungsbedarf.

Eine wissenschaftlich abgesicherte Erklärung für die regionale Verteilung gibt es bislang allerdings nicht. „Die genauen Ursachen der regionalen Verteilung haben wir allerdings nicht untersucht“, erklärt Bentlage.

Eine mögliche Erklärung lässt sich dennoch aus den Teilnahmebedingungen ableiten. Der Wettbewerb richtet sich an relativ dünn besiedelte Gemeinden mit vergleichsweise geringer touristischer Aktivität. Beide Merkmale könnten auf zahlreiche ländliche Regionen Ostdeutschlands zutreffen. Ob die fünf ostdeutschen Flächenländer tatsächlich überdurchschnittlich viele förderfähige Gemeinden besitzen, lässt sich mit den bislang veröffentlichten Angaben aber nicht feststellen.

Dafür wäre eine zusätzliche Auswertung erforderlich: Wie viele Gemeinden erfüllen die Förderkriterien in jedem einzelnen Bundesland? Erst mit dieser Information ließe sich beurteilen, ob sich die hohe Bewerberzahl durch die Struktur der förderfähigen Regionen erklären lässt oder ob sich ostdeutsche Initiativen tatsächlich überdurchschnittlich häufig beteiligt haben.

Infografik mit den Bewerbungszahlen des NaturMomente-Wettbewerbs und der Tourismusintensität 2025 in sieben ausgewählten Bundesländern.
Bewerbungen für „NaturMomente“ im Vergleich zur Tourismusintensität 2025. Die Tourismusintensität bezieht sich auf die Bundesländer, während die Förderkriterien auf Gemeindeebene gelten. Quellen: Airbnb/DTV und DTV. Grafik: eingecheckt® Magazin.

Mecklenburg-Vorpommern zeigt, warum Landesdurchschnitte täuschen können

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist Mecklenburg-Vorpommern. Mit 21.155 Übernachtungen je 1.000 Einwohner verzeichnete das Bundesland 2025 eine wesentlich höhere Tourismusintensität als der deutsche Durchschnitt. Sachsen-Anhalt kam dagegen auf lediglich 3.856, Thüringen auf 4.786 und Sachsen auf 4.869.¹

Dass Mecklenburg-Vorpommern einen so hohen Wert erreicht, dürfte wesentlich mit seinen etablierten Urlaubsregionen an der Ostsee zusammenhängen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der Tourismus im gesamten Bundesland gleichermaßen stark entwickelt ist. Abseits bekannter Ferienorte können sich die touristischen Voraussetzungen erheblich unterscheiden.

Genau hier setzen die Förderbedingungen von „NaturMomente“ an. Maßgeblich ist nicht der Durchschnitt eines Bundeslandes, sondern die Situation der jeweiligen Gemeinde. Die Teilnahmebedingungen definieren dünn besiedelte Regionen mit maximal 150 Einwohnern je Quadratkilometer als Zielgebiet und schließen touristisch hoch entwickelte Gemeinden mit mehr als 4,5 Übernachtungen je Einwohner aus.⁴

Die aktuelle Pressemitteilung nennt hierzu eine Grenze von 4,5 Übernachtungen je 1.000 Einwohner. Diese Einheit widerspricht jedoch den offiziellen Teilnahmebedingungen. Für die Einordnung des Wettbewerbs ist deshalb die dort festgelegte Grenze von 4,5 Übernachtungen je Einwohner auf Gemeindeebene maßgeblich. Die Pressemitteilung bezieht die Auswahl auf das Jahr 2024.² ⁴

Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: Eine touristisch stark frequentierte Küstengemeinde kann von der Förderung ausgeschlossen sein, während eine dünn besiedelte Gemeinde im Binnenland die Voraussetzungen möglicherweise erfüllt. Der hohe Landesdurchschnitt allein sagt darüber nichts aus.

Eine Million Euro für maximal 40 Projekte

Der Wettbewerb wurde am 16. Juni 2026 gestartet und steht unter der Schirmherrschaft von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Bewerben konnten sich unter anderem Kommunen, Tourismusorganisationen, kleine und mittlere Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Vereine und Privatpersonen.⁵

Die 521 eingereichten Projekte verteilen sich auf vier Themenfelder. Am stärksten vertreten sind Kultur und Tradition mit 161 Bewerbungen. Es folgen Natur- und Umweltschutz sowie gemeinschaftlich getragene Tourismusprojekte mit jeweils 144 Einreichungen. Weitere 72 Projekte befassen sich mit regionaler Landwirtschaft.²

Welche konkreten Ideen innerhalb dieser Kategorien besonders häufig vorkommen, konnte der DTV auf unsere Nachfrage noch nicht beantworten. Dafür sei zunächst eine vertiefte Auswertung erforderlich.

Fest steht dagegen, dass nur ein kleiner Teil der Bewerber gefördert werden kann. Die möglichen Unterstützungsbeträge liegen bei 25.000, 50.000 oder 100.000 Euro. Bei einem Gesamtbudget von einer Million Euro reicht das Geld rechnerisch für 10 bis 40 Projekte, sofern das Budget vollständig ausgeschöpft und ausschließlich in diesen Stufen vergeben wird. Das entspricht lediglich rund zwei bis acht Prozent der 521 gültigen Bewerbungen.⁴

Die Auswahl erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst prüfen ein internes Expertenteam von Airbnb und DTV sowie eine Fachkommission die eingereichten Projekte. Anschließend entscheidet eine siebenköpfige Jury über die Auswahl und die Höhe der Förderung.

Der Jury gehören laut den veröffentlichten Teilnahmebedingungen Prof. Dr. Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung, die Bundestagsabgeordnete Dr. Franziska Kersten, Jens Spanjer von Schlösser und Gärten in Deutschland, Birgit Grauvogel von der Tourismus Zentrale Saarland sowie Franziska Schmieg vom Bundesverband Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus an. Hinzu kommen DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz und als Airbnb-Vertreterin Kathrin Anselm. Die aktuelle Oktober-Pressemitteilung nennt anstelle von Anselm allerdings Ellen Madeker. Welche der beiden Airbnb-Vertreterinnen tatsächlich an der abschließenden Jurysitzung teilnimmt, ist damit noch nicht eindeutig geklärt.² ⁴

Die Bewertung orientiert sich an sieben Kriterien: Umwelt und Natur, Qualität des Besuchserlebnisses, wirtschaftlicher Mehrwert, Einbindung der lokalen Gemeinschaft, Gemeinwohlorientierung, Innovation sowie Übertragbarkeit. Besonders stark gewichtet wird mit 25 Prozent der Bereich Umwelt und Natur. Die übrigen Kriterien fließen mit jeweils fünf bis 15 Prozent ein.⁴

Damit soll nicht allein die touristische Attraktivität einer Idee bewertet werden. Auch ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit und ihr Nutzen für die Menschen vor Ort spielen eine Rolle.

Rustikales Landhaus mit Ziegeldach und hohen Gräsern im warmen Abendlicht in der Uckermark.
Ländliches Gebäude in der Uckermark. Symbolbild für den Tourismus abseits etablierter Reiseziele. Foto: Denny Sachtleben / Unsplash.

Was Airbnb von der Förderung hat

Für Airbnb ist die Unterstützung des ländlichen Tourismus nicht nur ein gesellschaftliches Engagement. Das Unternehmen bewegt sich damit zugleich in einem Markt, der für seine weitere Geschäftsentwicklung von Bedeutung ist.

Nach eigenen Angaben entfielen 2025 fast zwei Drittel der von deutschen Gästen über Airbnb gebuchten Übernachtungen innerhalb Deutschlands auf Reiseziele außerhalb von Städten. Außerdem meldet das Unternehmen für Hütten ein Plus von 65 Prozent und für Bauernhöfe von 45 Prozent zwischen 2023 und 2025. Auf welche konkrete Kennzahl sich diese beiden Zuwachsraten beziehen, wird in der Pressemitteilung allerdings nicht näher erläutert.²

Dass Airbnb gezielt auf den ländlichen Raum setzt, hatte Mitgründer Nathan Blecharczyk bereits im März 2026 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt. Nach seinen Angaben finden inzwischen rund 60 Prozent aller Airbnb-Aufenthalte in Europa außerhalb urbaner Regionen statt. In vielen ländlichen Gegenden gebe es bislang nur wenige Hotels oder andere Unterkünfte. Ähnliche Förderinitiativen habe Airbnb bereits in Spanien, Frankreich und Großbritannien gestartet.⁶

Die Förderung kann damit zwei Interessen gleichzeitig bedienen: Ländliche Regionen erhalten Unterstützung bei der Entwicklung neuer touristischer Angebote, während Airbnb von einer wachsenden touristischen Nachfrage abseits der Städte profitieren könnte. Ob und in welchem Umfang durch die geförderten Projekte tatsächlich zusätzliche Buchungen auf der Plattform entstehen, ist derzeit offen.

Airbnb finanziert nicht nur das Förderbudget, sondern ist auch an der Vorauswahl beteiligt und mit einem Sitz in der Jury vertreten. Zudem sehen die Teilnahmebedingungen begrenzte Vetorechte für Airbnb und den DTV vor, beispielsweise bei rechtlichen Verstößen oder erheblichen Compliance-Problemen.⁴

Ein Vergleich mit einem früheren Förderwettbewerb zeigt, warum sich auch ein Blick auf die vertraglichen Bedingungen lohnt. Bei einem 2020 geplanten Airbnb-Förderpreis für außergewöhnliche Unterkünfte war vorgesehen, dass Gewinner ihre fertiggestellten Unterkünfte mindestens zwölf Monate exklusiv über Airbnb anbieten mussten. Dieser damalige Wettbewerb wurde zunächst wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt.⁷

Eine vergleichbare Exklusivpflicht findet sich in den veröffentlichten Teilnahmebedingungen von „NaturMomente“ nicht. Stattdessen sind unter anderem Zwischen- und Verwendungsnachweise, ein zweiseitiger Abschlussbericht sowie die Nennung von Airbnb und DTV bei projektbezogenen Kommunikationsmaßnahmen vorgesehen. Auch eine angemessene Mitwirkung an Öffentlichkeitsarbeit kann verlangt werden.⁴

Allerdings sollen die Gewinner vor der Auszahlung noch eine separate Projektvereinbarung unterzeichnen. Ob diese zusätzliche Bedingungen zur Vermarktung enthält, geht aus den bisher öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht hervor.

Neue Gäste für die Region – aber wo übernachten sie?

Für bestehende Hotels und Pensionen stellt sich eine andere Frage: Wer profitiert wirtschaftlich von den neu geschaffenen touristischen Angeboten?

Olaf Bentlage sieht durchaus Chancen für kleinere Beherbergungsbetriebe. Neue Natur-, Kultur- und Regionalerlebnisse könnten zusätzliche Reiseanlässe schaffen, weniger bekannte Regionen attraktiver machen und möglicherweise zu längeren Aufenthalten führen.

Entscheidend sei jedoch die Zusammenarbeit mit den vorhandenen Betrieben. „Entscheidend ist, dass neue Angebote mit den bestehenden Betrieben vor Ort vernetzt werden“, erklärt Bentlage im schriftlichen Interview.

Für die Hotellerie ist diese Einschätzung von Bedeutung. Ein neuer Radweg, ein landwirtschaftliches Erlebnisangebot oder eine kulturelle Veranstaltung kann Besucher anziehen. Ob diese anschließend in einem örtlichen Hotel, einer Pension oder einer privat vermieteten Ferienwohnung übernachten, hängt jedoch von weiteren Faktoren ab.

Ein Blick auf die amtliche Beherbergungsstatistik zeigt zumindest, dass sich die verschiedenen Unterkunftsarten zuletzt unterschiedlich entwickelten. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes gingen die Übernachtungen in Hotels, Gasthöfen und Pensionen 2025 um 0,4 Prozent zurück. Ferienunterkünfte verzeichneten dagegen ein leichtes Plus von 0,2 Prozent, Campingplätze legten um 4,2 Prozent zu.⁸

Aus diesen Zahlen lässt sich allerdings kein Wettbewerbsvorteil privater Ferienvermieter gegenüber Hotels ableiten. Die Statistik erfasst grundsätzlich nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten beziehungsweise Campingplätze mit mindestens zehn Stellplätzen. Kleinere private Ferienwohnungen, wie sie auch über Airbnb angeboten werden, bleiben damit weitgehend außerhalb dieser Erhebung.

Ob von einer wachsenden touristischen Nachfrage im ländlichen Raum eher traditionelle Beherbergungsbetriebe oder private Anbieter profitieren, lässt sich mit diesen Daten folglich nicht beantworten.

Kühe auf einer grünen Weide in einer ländlichen Region Sachsens.
Auch die regionale Landwirtschaft gehört zu den Themenfeldern des Förderwettbewerbs. Symbolbild aus Sachsen. Foto: MediaEcke / Unsplash.

Ohne Infrastruktur bleibt das touristische Potenzial begrenzt

Neue Angebote allein werden die strukturellen Herausforderungen vieler ländlicher Regionen nicht lösen. Selbst wenn es gelingt, zusätzliche Besucher anzuziehen, benötigen diese eine funktionierende touristische Infrastruktur.

Bentlage nennt im schriftlichen Interview insbesondere die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, attraktive Rad- und Wanderwege sowie eine zuverlässige digitale Infrastruktur. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und fehlende Investitionsmittel.

Besonders problematisch sei die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Sie müssten einen erheblichen Teil der touristischen Infrastruktur bereitstellen und unterhalten, verfügten aber zunehmend nicht über die notwendigen finanziellen Möglichkeiten.

Diese Schwierigkeiten betreffen auch die bestehenden Beherbergungsbetriebe. Ein familiengeführtes Hotel kann seine Zimmer modernisieren, den Service verbessern und neue Angebote entwickeln. Fehlende Busverbindungen, schlecht ausgebaute Wege oder mangelnde öffentliche Infrastruktur lassen sich dagegen kaum im Alleingang beheben.

Für Bentlage liegt ein wesentlicher Ansatz deshalb in der Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Hotellerie, Gastronomie, regionalen Erzeugern und weiteren touristischen Akteuren. Werden solche Partner frühzeitig eingebunden, könnten neue touristische Angebote zusätzliche Nachfrage schaffen, von der möglichst viele Unternehmen in der Region profitieren.

Dabei müsse Tourismusentwicklung nicht nur wirtschaftliche Wertschöpfung, sondern auch die Lebensqualität der Bevölkerung berücksichtigen.

Ende November zeigt sich, welche Projekte eine Chance bekommen

Die Gewinner des Wettbewerbs sollen nach der aktuellen Pressemitteilung Ende November 2026 bekannt gegeben werden. Welche Regionen und Konzepte tatsächlich berücksichtigt werden, steht damit noch aus.²

Aus Sicht der Hotellerie dürfte anschließend vor allem die praktische Umsetzung aufschlussreich sein. Die entscheidende Frage ist nicht allein, ob ein gefördertes Projekt neue Besucher anzieht, sondern ob daraus eine langfristige Zusammenarbeit mit bestehenden Betrieben entsteht.

Der Deutsche Tourismusverband hat uns bereits in Aussicht gestellt, nach der Bekanntgabe der Gewinner einen Kontakt zu einem geeigneten Projekt aus Sachsen oder Thüringen zu prüfen. Damit könnte sich die Gelegenheit ergeben, eine der geförderten Initiativen über ihre Bewerbung hinaus journalistisch zu begleiten.

Die 521 Bewerbungen zeigen, wie viele Menschen und Organisationen sich mit der touristischen Entwicklung ihrer Regionen beschäftigen. Wie viele dieser Ideen tatsächlich verwirklicht werden und welche wirtschaftlichen Auswirkungen sie haben, bleibt abzuwarten.

Gerade für kleinere Hotels und Pensionen wäre es jedoch ein wichtiger Erfolg, wenn die geförderten Angebote nicht isoliert entstehen, sondern Teil einer touristischen Entwicklung werden, an der auch die bestehenden Gastgeber vor Ort beteiligt sind.

Quellen

Für diesen Artikel wurden offizielle Pressemitteilungen, amtliche Statistiken, Teilnahmebedingungen des Projektwettbewerbs und eigene redaktionelle Quellen ausgewertet.

  1. Deutscher Tourismusverband (2026)
    Zahlen – Daten – Fakten 2026.
    Das Tourismusjahr 2025 im Rückblick. Tourismusintensität der Bundesländer, Übernachtungen je 1.000 Einwohner.
  2. Airbnb / Deutscher Tourismusverband (2026)
    Mehr als 500 Bewerbungen für NaturMomente.
    Gemeinsame Pressemitteilung vom 7./8. Oktober 2026. Bewerbungszahlen, regionale Verteilung, Projektkategorien und Plattformdaten.
  3. Statistisches Bundesamt (2026)
    Bevölkerung nach Nationalität und Bundesländern.
    Bevölkerungsstand zum 31. Dezember 2025. Grundlage der redaktionellen Berechnungen zur Bewerbungsintensität je Einwohner.
  4. Airbnb / Deutscher Tourismusverband (2026)
    NaturMomente – Offizielle Teilnahmebedingungen.
    Fördervoraussetzungen, Einwohnerdichte, Tourismusintensität, Auswahlverfahren, Jurybesetzung, Bewertungskriterien, Projektpflichten und Rechteübertragung.
  5. Deutscher Tourismusverband / Airbnb (2026)
    Eine Million Euro für den ländlichen Tourismus.
    Pressemitteilung zum Wettbewerbsstart vom 16. Juni 2026.
  6. dpa-AFX (2026)
    Airbnb und Tourismusverband planen Fonds für ländliche Räume.
    Meldung vom 4. März 2026. Aussagen von Airbnb-Mitgründer Nathan Blecharczyk zu ländlichen Reisemärkten und vergleichbaren europäischen Förderinitiativen.
  7. Airbnb (2020)
    Offizielle Teilnahmebedingungen des Förderpreises für einzigartige Unterkünfte.
    Historischer Vergleich der Förderbedingungen einschließlich der vorgesehenen exklusiven Vermarktung über Airbnb.
  8. Statistisches Bundesamt (2026)
    Tourismus in Deutschland im Jahr 2025: Erneut Rekordwert bei Gästeübernachtungen.
    Pressemitteilung Nr. 046 vom 11. Februar 2026. Vorläufige Übernachtungszahlen nach Betriebsarten und methodische Erfassungsgrenzen.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Olaf Bentlage, Pressesprecher des Deutschen Tourismusverbandes, Oktober 2026. Sechs redaktionelle Fragen zu regionaler Beteiligung, Förderprojekten, wirtschaftlichen Chancen, touristischer Infrastruktur und regionaler Wertschöpfung.