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Personal & Arbeitswelt

Was Hotels beim Mitarbeiterwohnen von HAVENS LIVING lernen können

Wer im Hotel arbeiten soll, muss auch wohnen können. HAVENS LIVING zeigt, welche Lösungen für Arbeitgeber möglich sind.

Möbliertes Apartment mit Doppelbett, gelbem Sessel, Stehlampe, Küchenzeile und Fernseher auf einem Rollständer unter einer Sichtbetondecke
Die möblierten Apartments von HAVENS LIVING verfügen über eine eigene Küche und ein eigenes Bad und ermöglichen einen unmittelbaren Einzug. Foto: Joachim Grothus
Das Wichtigste in Kürze
  • Fehlender Wohnraum kann die Personalgewinnung erschweren, besonders bei Umzügen und internationalen Fachkräften.
  • Unternehmen haben seit September 2025 insgesamt 400 Apartments bei HAVENS LIVING für Beschäftigte angemietet.
  • Arbeitgeber können einzelne bezugsfertige Apartments oder größere Kontingente mieten, ohne selbst Wohnungen betreiben zu müssen.
  • Auch kleine Hotels können mit Übergangswohnungen, Mietzuschüssen oder Hilfe bei der Wohnungssuche beginnen.

Ein Hotel findet eine passende Bewerberin für die Rezeption. Die Qualifikation stimmt, die Gespräche verlaufen gut, beide Seiten möchten zusammenarbeiten. Doch dann scheitert der Stellenwechsel an einer Frage, die mit dem Arbeitsplatz zunächst wenig zu tun hat: Wo soll die neue Mitarbeiterin wohnen? Für Hotels in angespannten Wohnungsmärkten kann genau das zum Problem werden. Denn eine offene Stelle lässt sich nicht allein mit einem attraktiven Arbeitsvertrag besetzen, wenn bezahlbarer Wohnraum fehlt.

Nora Gehlen kennt die Hotellerie aus eigener Berufserfahrung. Sie war unter anderem für Adina Apartment Hotels, H-Hotels und Deutsche Hospitality tätig. Seit Juni 2026 verantwortet sie bei International Campus die operative Zusammenarbeit mit Firmenkunden und den Ausbau der Apartmentkontingente bei HAVENS LIVING.¹

Porträt von Nora Gehlen mit Brille und langen blonden Haaren, lächelnd vor weißem Hintergrund
Nora Gehlen betreut bei International Campus die Firmenkunden von HAVENS LIVING. Zuvor war sie selbst in der Hotellerie tätig. Foto: International Campus

Damit beschäftigt sie sich heute mit einer Frage, die für viele Arbeitgeber an Bedeutung gewinnt: Wie können Unternehmen ihren Beschäftigten den Start an einem neuen Arbeitsort erleichtern?

Im schriftlichen Gespräch mit eingecheckt® erklärt Gehlen, weshalb Mitarbeiterwohnen mehr ist als die Bereitstellung eines möblierten Zimmers und warum auch kleinere Hotelbetriebe dieses Thema nicht großen Konzernen überlassen müssen.

Wenn die Wohnungssuche über eine Einstellung entscheidet

Die Schwierigkeit beginnt häufig schon vor dem ersten Arbeitstag. Wer für eine neue Stelle in eine andere Stadt zieht, muss einen Mietvertrag finden, den Umzug organisieren und sich mit dem neuen Umfeld vertraut machen. Im Hotelbetrieb kommen Arbeitszeiten hinzu, die nicht immer mit einem langen Pendelweg vereinbar sind.

„In angespannten Wohnungsmärkten kann sie den entscheidenden Ausschlag geben“, sagt Gehlen über die Bedeutung der Wohnsituation für die Personalgewinnung.

Besonders schwierig sei die Lage für Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Sie müssen ihre Wohnungssuche häufig aus der Ferne organisieren und gleichzeitig den beruflichen Neustart vorbereiten.

Dass Wohnen gerade in Städten eine erhebliche finanzielle Belastung sein kann, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Laut Mikrozensus lag die durchschnittliche Mietbelastungsquote von Hauptmieterhaushalten in Großstädten 2022 bei 29 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. Bei Haushalten mit Einzug ab 2019 waren es sogar 30,9 Prozent.² Die Zahlen sind keine spezielle Untersuchung zur Hotellerie, verdeutlichen aber die finanziellen Rahmenbedingungen, mit denen Wohnungssuchende konfrontiert sein können.

Für Gehlen ergibt sich daraus eine Konsequenz für Arbeitgeber: „Die Wohnfrage gehört deshalb aus meiner Sicht früh ins Bewerbungsgespräch und in die Personalplanung.“

400 Apartments für Beschäftigte: Wie HAVENS LIVING funktioniert

International Campus betreibt neben der auf studentisches Wohnen ausgerichteten Marke THE FIZZ auch HAVENS LIVING. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und entwickelt sowie betreibt Wohnkonzepte an europäischen Standorten.³

Bei HAVENS LIVING können Firmen einzelne Apartments oder größere Kontingente für ihre Mitarbeitenden anmieten. Das Angebot besteht derzeit in Berlin, Frankfurt und Hamburg. Seit September 2025 haben Unternehmen insgesamt 400 Apartments für Beschäftigte angemietet.¹

Das Modell richtet sich beispielsweise an internationale Fachkräfte, neue Beschäftigte am Standort oder Mitarbeitende, die vorübergehend für ein Projekt in einer anderen Stadt arbeiten.

Gehlen beschreibt den Ablauf als individuelle Abstimmung zwischen Anbieter und Arbeitgeber. Zunächst werden Bedarf, Mietdauer und Budget geklärt. Anschließend können die Beschäftigten in vollständig ausgestattete Apartments mit eigener Küche und eigenem Bad einziehen.

Hinzu kommen Gemeinschaftsbereiche, Veranstaltungen und Ansprechpersonen vor Ort.

Gemeinschaftsbereich mit grünem Rundsofa, Sesseln, rundem Tisch und großer Ringleuchte unter einer offenen Decke mit Lüftungsrohren
Gemeinschaftsflächen sollen den Austausch zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern erleichtern. Foto: Joachim Grothus

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Mitarbeiterwohnung liegt aus Sicht des Arbeitgebers im organisatorischen Aufwand. Statt selbst Wohnungen zu suchen, einzurichten und laufend zu betreuen, kann ein Unternehmen auf eine bereits vorhandene Infrastruktur zurückgreifen.

Allerdings ist HAVENS LIVING kein flächendeckendes Angebot. Für Hotels außerhalb der drei genannten Städte stellt sich deshalb weiterhin die Frage, welche vergleichbaren Lösungen vor Ort verfügbar sind.

Warum ein höheres Gehalt nicht jedes Wohnproblem löst

Für Hoteliers ist die wirtschaftliche Frage entscheidend. Schließlich kostet auch eine angemietete Mitarbeiterwohnung Geld. Ist ein höheres Gehalt nicht der einfachere Weg?

Gehlen hält diese Betrachtung für zu kurz. „Ein höheres Gehalt allein löst das Problem nicht immer. Wo Wohnungen fehlen, schafft zusätzliches Einkommen noch kein verfügbares Zuhause.“

Aus ihrer Sicht müssen Betriebe deshalb die Gesamtkosten betrachten. Bleiben Stellen unbesetzt, können erneute Personalsuche, zusätzliche Arbeitsbelastung und Einschränkungen im Hotelangebot ebenfalls Kosten verursachen.

Eine Wohnlösung kann demnach wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn sie hilft, offene Stellen zu besetzen oder neue Beschäftigte am Standort zu halten. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich jede Mitarbeiterwohnung automatisch rechnet.

Wie hoch ein angemessener Zuschuss ausfällt, welcher Mietzeitraum sinnvoll ist und wie die Kosten zwischen Hotel und Beschäftigten verteilt werden, hängt vom einzelnen Betrieb ab. Gerade deshalb lohnt es sich, vor einer Entscheidung nicht nur den Mietpreis, sondern auch den konkreten Personalbedarf zu betrachten.

Ankommen bedeutet mehr als einen Schlüssel bekommen

Gehlen legt großen Wert auf einen Aspekt, der über die reine Unterkunft hinausgeht. Aus der Hotellerie kennt sie die Bedeutung eines guten Empfangs. Für neue Mitarbeitende müsse dieser Gedanke auch außerhalb des Arbeitsplatzes gelten.

„Mich überzeugt vor allem der Zusammenhang zwischen einem guten Ankommen und der Entscheidung, länger zu bleiben.“

Wer eine neue Stelle antritt, braucht nach ihrer Einschätzung einen privaten Rückzugsort, aber auch Möglichkeiten, soziale Kontakte aufzubauen. Gerade beim Umzug aus dem Ausland fehlen zunächst oft vertraute Menschen und bestehende Netzwerke.

HAVENS LIVING setzt deshalb auf gemeinschaftliche Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten innerhalb der Wohnanlagen. Ergänzt wird das Angebot laut Gehlen durch eine Kooperation mit nilo, über die Bewohnerinnen und Bewohner kostenfreien Zugang zu digitaler Unterstützung für ihre mentale Gesundheit erhalten.

Für Hotels lässt sich daraus ein grundsätzlicher Gedanke ableiten: Eine Unterkunft erleichtert den organisatorischen Start, aber sie ersetzt nicht die persönliche Integration. Wer Mitarbeitende aus anderen Regionen oder Ländern gewinnt, sollte deshalb auch darauf achten, wie diese Menschen außerhalb ihrer Arbeitszeiten Anschluss finden können.

Was ein Hotel mit 25 Zimmern tatsächlich tun kann

Ein familiengeführtes Hotel kann in der Regel nicht dieselben Wohnkonzepte umsetzen wie eine große Hotelgruppe. Das muss es nach Ansicht von Gehlen auch nicht.

„Für einen kleinen Betrieb muss die Lösung nicht mit einer eigenen Immobilie beginnen.“

Schon eine einzelne angemietete Wohnung könne helfen, neue Beschäftigte während ihrer ersten Monate unterzubringen. Denkbar seien außerdem finanzielle Zuschüsse, Unterstützung bei der Vermittlung oder eine vorübergehende Unterkunft.

Wie das in einem Privathotel aussehen kann, zeigt das Schlossgut Gross Schwansee: Dort gibt es ein Mitarbeiterhaus, das Team hilft bei der Wohnungssuche, und in bestimmten Situationen kann übergangsweise auch einmal ein Hotelzimmer zur Verfügung stehen. Davon hat Janet Schroeder im Interview mit eingecheckt® erzählt.

Das reduziert die Einstiegshürde. Ein Hotel muss weder ein eigenes Personalhaus bauen noch sofort mehrere langfristige Mietverträge abschließen. Es kann zunächst prüfen, bei welchen Stellen fehlender Wohnraum tatsächlich ein Hindernis darstellt und welche überschaubare Lösung zum Betrieb passt.

Wichtig seien dabei transparente Bedingungen, angemessene Wohnqualität und eine Lage, die mit dem Arbeitsalltag vereinbar ist. Eine günstige Unterkunft weit außerhalb des Ortes nützt Beschäftigten mit frühen oder späten Schichten möglicherweise wenig.

Für kleine Betriebe ist damit nicht die Größe des Angebots entscheidend, sondern seine Verlässlichkeit.

Wird Wohnraum künftig zum Bestandteil des Arbeitsplatzangebots?

Gehlen erwartet, dass Arbeitgeber in besonders angespannten Regionen zunehmend eine konkrete Antwort auf die Wohnfrage anbieten müssen. Das bedeute nicht zwangsläufig eine dauerhaft verfügbare Mitarbeiterwohnung.

Für internationale Fachkräfte könne ein bezugsfertiges Apartment während der ersten Monate eine passende Lösung sein. Wer mit einer Familie umzieht, habe dagegen andere Anforderungen.

Das Modell HAVENS LIVING zeigt, wie Unternehmen die Organisation solcher Unterkünfte auslagern können. Für die meisten familiengeführten Hotels dürfte die Antwort kleiner ausfallen: eine angemietete Wohnung, ein Zuschuss oder eine verlässliche Unterstützung bei der Suche.

Die entscheidende Veränderung liegt möglicherweise darin, Wohnraum nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn eine Zusage an der Wohnungssuche zu scheitern droht. Wer Personal überregional gewinnen möchte, sollte frühzeitig wissen, welche Unterstützung der eigene Betrieb anbieten kann.

Das ist keine Garantie für erfolgreiche Personalgewinnung. Es beseitigt aber eine Hürde, die selbst ein attraktiver Arbeitsplatz nicht immer ausgleichen kann.

Wohnraum für Mitarbeitende: vier Wege für kleine Hotels
  1. Eine Wohnung für die ersten Monate anmieten: Eine einzelne, bezugsfertige Wohnung kann neuen Beschäftigten den Einstieg erleichtern, während sie sich nach einer dauerhaften Unterkunft umsehen.
  2. Einen Zuschuss zum Wohnen anbieten: Wenn das Hotel keinen eigenen Wohnraum bereitstellen kann, ist eine finanzielle Beteiligung an den Wohnkosten eine mögliche Alternative.
  3. Bei der Wohnungssuche unterstützen: Der Betrieb kann bei der Vermittlung helfen oder Beschäftigte mit geeigneten Vermietungspartnern in Kontakt bringen.
  4. Eine Übergangsunterkunft organisieren: Nicht jede Stelle erfordert eine dauerhafte Mitarbeiterwohnung. Eine zeitlich begrenzte Unterkunft kann für den beruflichen Neustart ausreichen.

Für alle vier Wege gilt: Kosten und Bedingungen sollten klar vereinbart, die Wohnqualität angemessen und der Arbeitsweg praktikabel sein.

Weitere Informationen zum beschriebenen Wohnmodell: HAVENS LIVING

Quellen

Für diesen Beitrag wurden eine Pressemitteilung und die Website von International Campus, amtliche Statistik sowie ein eigenes schriftliches Interview ausgewertet. Recherchestand: 26. Oktober 2026.

  1. International Campus (2026)
    International Campus bietet Wohnen auf Zeit für Mitarbeitende: Bereits 400 Apartments bei HAVENS LIVING von Betrieben angemietet
    Pressemitteilung vom 13. Oktober 2026. 400 von Unternehmen angemietete Apartments seit September 2025 in Frankfurt, Berlin und Hamburg; Aufgaben von Nora Gehlen seit Juni 2026.
  2. Statistisches Bundesamt (2026)
    Mieten, Mietbelastung und Gemeindetyp
    Tabelle, Ergebnisse des Mikrozensus 2022. Mietbelastungsquote von Hauptmieterhaushalten in Großstädten: 29 Prozent, bei Einzug ab 2019: 30,9 Prozent.
  3. International Campus (2026)
    Über International Campus
    Unternehmenswebsite, abgerufen am 26.10.2026. Gründung 2011, Marken THE FIZZ und HAVENS LIVING.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Nora Gehlen, Key Account Managerin bei International Campus, Antworten vom 21. Oktober 2026.