Das Wichtigste in Kürze
- Universal Beach Hotels reagiert auf die Tourismusproteste auf Mallorca mit der Kampagne „Be a guest, not just a tourist“, die vom 5. bis 29. Oktober 2026 läuft.
- Sechs Mitarbeitende geben auf Instagram und LinkedIn persönliche Tipps für einen respektvollen Umgang mit Mallorca und seinen Menschen.
- CEO Yannik Erhart nennt die Wohnungsnot als drängendstes Problem. Einen Buchungsrückgang durch die Proteste hat das Unternehmen nicht festgestellt.
- Innerhalb eines Jahres hat die Gruppe rund vier Millionen Liter Wasser eingespart und ihre Ausgaben für regionale Produkte um über 24 Prozent gesteigert.
Auf Mallorca wird seit geraumer Zeit darüber diskutiert, wie viel Tourismus die Insel verträgt. Tausende Menschen haben gegen die Folgen des Massentourismus demonstriert.¹ Sie beklagen steigende Mieten, überlastete Straßen und eine Infrastruktur, die mit der Entwicklung nicht Schritt hält. Für die Hotellerie ist das eine schwierige Situation, denn der Tourismus sichert zahlreiche Arbeitsplätze und ist zugleich ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor der Insel.
Das Familienunternehmen Universal Beach Hotels hat sich entschieden, auf diese Diskussion mit einer eigenen Kampagne zu reagieren. Unter dem Motto „Be a guest, not just a tourist“ geben sechs Mitarbeitende vom 5. bis 29. Oktober 2026 auf Instagram und LinkedIn persönliche Tipps für einen respektvollen Umgang mit Mallorca und seinen Menschen.² Es geht um einfache Gesten: ein freundliches „Bon dia“, einen Einkauf auf dem Wochenmarkt, einen bewussten Umgang mit Wasser oder darum, den Strand so zu verlassen, wie man ihn selbst vorfinden möchte.




Die Kampagne „Be a guest, not just a tourist“ auf Instagram: der Auftakt am 5. Oktober und die Tipps von Maria Carmen Alcala Hernandez aus dem Housekeeping, Chefpâtissier Juan Quetglas Lopez und Julio Marin, Leiter der Instandhaltung. Foto: Universal Beach Hotels (Screenshots Instagram)
Bemerkenswert ist dabei, wer diese Botschaften vermittelt. Nicht die Marketingabteilung steht im Mittelpunkt, sondern Menschen, die auf Mallorca leben und täglich mit Urlaubern arbeiten. Zu ihnen gehört Maria Elena Oliver Lladó, Direktorin des Universal Grand Leon & SPA. Sie und ihre Kollegen kennen die Insel sowohl als Heimat als auch als Arbeitsplatz. Ihre Perspektive soll zeigen, dass sich Gastfreundschaft und die Sorgen der einheimischen Bevölkerung nicht gegenseitig ausschließen.
Hinter der Kampagne steht ein Unternehmen, dessen Geschichte eng mit Mallorca verbunden ist. Universal Beach Hotels wurde von Dr. Alfred Erhart gegründet und wird heute in dritter Generation geführt. CEO Yannik Erhart steht damit vor einer Herausforderung, die auch andere Hoteliers in stark besuchten Urlaubsregionen kennen: Wie lässt sich ein wirtschaftlich erfolgreicher Tourismus gestalten, von dem nicht nur die Gäste und Unternehmen, sondern auch die Menschen vor Ort profitieren?
Im schriftlichen Interview mit eingecheckt spricht Erhart über die Proteste, die Erfahrungen seiner Mitarbeitenden und darüber, was Hotelunternehmen selbst verändern können.
Die Proteste
Ihre Familie ist seit fast 80 Jahren auf Mallorca zu Hause. Wie erleben Sie persönlich die Proteste gegen den Tourismus, als Unternehmer und als Mallorquiner?
Die Sorgen der Menschen nehmen wir ernst. Die Insel ist nicht nur ein Urlaubsziel, sondern vor allem die Heimat der Menschen, die hier leben. Wenn Wohnen immer teurer wird und der Alltag zunehmend unter Druck gerät, müssen wir das ernst nehmen. Gleichzeitig verdanken viele Familien auf der Insel ihren Lebensunterhalt dem Tourismus. Beides gehört zur Wahrheit.

In der Pressemitteilung heißt es, der Unmut richte sich nicht gegen die Urlauber selbst, sondern gegen strukturelle Probleme. Welche sind aus Ihrer Sicht die drängendsten?
Ganz vorne steht die Wohnungsnot. Wenn sich Menschen mit normalen Einkommen kaum noch eine Wohnung leisten können, ist das ein enormes gesellschaftliches Problem. Hinzu kommen Verkehrsbelastung, der Druck auf die Infrastruktur und der Umgang mit begrenzten Ressourcen wie Wasser. Das sind Herausforderungen, die weit über den Tourismus hinausreichen, für die wir aber gemeinsam Lösungen finden müssen.
Wie reagieren Ihre Gäste auf die Proteste? Spüren Sie Verunsicherung oder Fragen bei Buchungen oder vor Ort?
Natürlich verfolgen auch unsere Gäste die Diskussion und die Berichterstattung dazu. Nach unserer Erfahrung wissen die meisten aber sehr wohl zwischen Protesten gegen bestimmte Entwicklungen und einer grundsätzlichen Ablehnung von Urlaubern zu unterscheiden. Mallorca ist und bleibt eine gastfreundliche Insel. Einen Buchungsrückgang im Zusammenhang mit den Protesten haben wir nicht festgestellt.
Die Kampagne
Wie ist die Idee zu „Be a guest, not just a tourist“ entstanden, und warum sprechen gerade Ihre Mitarbeitenden die Tipps aus?
Wir wollten nicht einfach mit erhobenem Zeigefinger Verhaltensregeln aufstellen. Unsere Mitarbeitenden kennen Mallorca aus ihrem Alltag und erleben die Insel nicht nur als Urlaubsziel, sondern als ihre Heimat. Deshalb sind sie die glaubwürdigsten Botschafter. Ihre persönlichen Tipps sollen zum Nachdenken anregen, ohne jemandem den Urlaub erklären zu wollen.

Wie erleben Ihre Mitarbeitenden, die selbst auf der Insel leben, die Spannung zwischen Tourismus als Arbeitgeber und den Belastungen im Alltag?
Unsere Mitarbeitenden erleben beide Seiten. Sie wissen, wie wichtig der Tourismus für Arbeitsplätze und Wohlstand ist. Gleichzeitig sind sie selbst von hohen Mieten, vollen Straßen und steigenden Lebenshaltungskosten betroffen. Gerade deshalb ist es uns wichtig, ihnen zuzuhören und ihre Perspektive sichtbar zu machen. Das war auch ein wesentlicher Gedanke hinter unserer Kampagne.
Welcher Tipp aus dem Mallorca-Knigge ist Ihnen persönlich der wichtigste, und warum?
Für mich steckt die wichtigste Botschaft bereits im Titel: „Be a guest, not just a tourist“. Wer irgendwo zu Gast ist, begegnet den Menschen und ihrer Heimat mit Respekt. Das beginnt bei ganz einfachen Dingen: einem freundlichen Gruß, Rücksicht im Alltag und dem Bewusstsein, dass andere dort leben, wo wir Urlaub machen. Eigentlich selbstverständlich, aber manchmal müssen wir uns daran erinnern.

Was ein Hotel tun kann
Benimmtipps allein lösen keine Wohnungsnot und keine Verkehrsprobleme. Was tut Universal Beach Hotels darüber hinaus, zum Beispiel beim Wohnraum für Ihr Personal, beim Wasserverbrauch oder bei der Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben?
Gute Ratschläge allein reichen nicht, wir müssen selbst handeln. Innerhalb eines Jahres haben wir rund vier Millionen Liter Wasser eingespart, den Verbrauch pro Übernachtung um knapp elf Prozent gesenkt und unsere Ausgaben für regionale Produkte um über 24 Prozent gesteigert. Bei unseren Hotelumbauten der letzten Jahre haben wir stets auch zusätzliche Personalzimmer geschaffen. Im Universal Beach Lido Park in Paguera renovieren wir diesen Winter nicht nur die Gästebereiche, sondern auch die Mitarbeiterbereiche und -Zimmer. Zur Lösung der Wohnungsnot braucht es darüber hinaus gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und öffentlicher Hand.

Wo sehen Sie die Hotellerie selbst in der Verantwortung, und wo stößt ein einzelnes Unternehmen an Grenzen?
Die Hotellerie muss ihren Beitrag leisten: durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, faire Arbeitsbedingungen und Investitionen in nachhaltige Strukturen. Aber ein Hotelunternehmen kann weder den Wohnungsmarkt regulieren noch die Verkehrsplanung übernehmen. Dafür braucht es gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Verantwortung lässt sich nicht delegieren, aber eben auch nicht allein schultern.
Was wünschen Sie sich von der Politik auf den Balearen?
Vor allem langfristige Konzepte und konkrete Maßnahmen, die auch umgesetzt werden. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, eine leistungsfähige Infrastruktur und klare Rahmenbedingungen für eine nachhaltige touristische Entwicklung. Dabei sollten die Interessen der Bevölkerung ebenso berücksichtigt werden wie die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus. Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob wir Tourismus wollen, sondern wie wir ihn künftig gestalten.

Zum Schluss
Was möchten Sie deutschen Urlaubern mitgeben, die gerade überlegen, ob sie überhaupt noch nach Mallorca reisen sollen?
Kommen Sie nach Mallorca! Die Insel ist wunderschön, vielfältig und ihre Menschen sind gastfreundlich. Wer hier Urlaub macht, muss kein schlechtes Gewissen haben. Aber vielleicht ein bisschen mehr Bewusstsein dafür entwickeln, dass Mallorca mehr ist als Sonne, Strand und Meer. Wer die Insel und ihre Menschen respektiert, ist bei uns jederzeit herzlich willkommen.

Und Ihr Rat an Hoteliers in anderen Regionen, die mit ähnlichen Spannungen zu tun haben?
Zuhören, bevor man antwortet. Die Sorgen der Menschen ernst nehmen, auch wenn sie unbequem sind. Und vor allem nicht nur über Nachhaltigkeit reden, sondern konkret handeln. Tourismus kann auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn auch die Menschen vor Ort davon profitieren. Das sollten wir als Gastgeber niemals vergessen.
Über Universal Beach Hotels
Universal Beach Hotels ist ein familiengeführtes Hotelunternehmen, das vor fast 80 Jahren von Dr. Alfred Erhart gegründet wurde. Heute wird es in dritter Generation geführt und betreibt 18 Hotels auf den Balearen. Nach Unternehmensangaben begrüßt die Gruppe jährlich rund 100.000 Gäste und beschäftigt etwa 1.200 Mitarbeitende.
Neben dem Hotelbetrieb engagiert sich das Unternehmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Im Juli 2026 veröffentlichte Universal Beach Hotels einen Nachhaltigkeitsbericht, der unter anderem Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen und zum Wasserverbrauch dokumentiert. Darüber hinaus unterstützt die Hotelgruppe das Meeresschutzprojekt MedGardens, das sich mit der Wiederherstellung ökologisch wertvoller Lebensräume im Mittelmeer beschäftigt.³
Weitere Informationen: www.universalbeachhotels.com
Für diesen Artikel wurden ein schriftliches Interview mit Yannik Erhart, die Pressemitteilung von Universal Beach Hotels sowie Berichte über die Proteste auf Mallorca und die Kampagne ausgewertet.
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The Local Spain (2026)
Tens of thousands march in Mallorca in latest overtourism protest in Spain
Artikel vom 27. Juli 2026. Demonstration in Palma am 26. Juli 2026, organisiert von „Menys Turisme, Més Vida“; laut Polizei rund 25.000, laut Veranstaltern rund 70.000 Teilnehmende. -
Mallorca Magazin (2026)
Vier Wochen lang: Hotelkette auf Mallorca startet Social-Media-Kampagne mit Ausflugs- und Einkaufstipps
Artikel vom 8. Oktober 2026. Kampagne „Be a guest, not just a tourist“ bis 29. Oktober 2026 mit sechs Mitarbeitenden als Botschafterinnen und Botschaftern und ihren Funktionen. -
Mallorca Magazin (2026)
„Für Mallorca als lebenswerte Heimat und hochwertige Reisedestination“: Universal Beach Hotels präsentiert Nachhaltigkeitsbericht
Artikel vom 31. Juli 2026. Nachhaltigkeitsbericht 2025 mit Kennzahlen zu Wasser, Emissionen und regionalem Einkauf sowie Unterstützung des Projekts MedGardens zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und Algenwäldern.