← Magazin

Familienhotel & Wellnessrefugium zugleich – kann das funktionieren?13

Winterlicher Traumblick ©Hotel Tratterhof
Winterlicher Traumblick ©Hotel Tratterhof

Kinder wollen planschen, rutschen und sich bewegen. Wellnessgäste suchen Ruhe, Rückzug und Erholung. Zwei Urlaubswelten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Im Südtiroler Tratterhof Mountain Sky Hotel versucht man dennoch, Familien und ruhesuchende Gäste unter einem Dach anzusprechen. Der Schlüssel soll dabei nicht im Kompromiss liegen – sondern in konsequenter räumlicher Trennung. Kann das funktionieren?

Auf der einen Seite geht es durch die T-Wave-Wasserrutsche oder den T-Tornado, im Funpool wird gespielt und im Babybecken geplanscht. Auf der anderen Seite sollen Erwachsene in Ruhe saunieren, sich in Ruheräume zurückziehen oder im Infinitypool auf die Dolomiten blicken.

Beides gehört zum selben Hotel.

Was zunächst nach einem schwierigen Spagat klingt, ist im Tratterhof Mountain Sky Hotel im Südtiroler Meransenbewusst Teil des Konzeptes. Das Haus möchte weder klassisches Familienhotel noch reines Adults-only-Refugium sein. Stattdessen versucht es, zwei Gästegruppen miteinander zu verbinden, deren Erwartungen an einen gelungenen Urlaub teilweise kaum unterschiedlicher sein könnten.

Und genau darin steckt eine Frage, die weit über ein einzelnes Hotel hinausgeht:

Muss sich ein Wellnesshotel heute überhaupt noch für eine Zielgruppe entscheiden – oder lassen sich unterschiedliche Urlaubswelten unter einem Dach organisieren?

Luxurioese Suite mit grenzenlosem Weitblick ©Andreas Marini Tratterhof
Luxurioese Suite mit grenzenlosem Weitblick ©Andreas Marini Tratterhof

Zwei große Märkte – mit unterschiedlichen Erwartungen

Dass Familien für die Tourismusbranche keine Randgruppe sind, zeigen aktuelle Zahlen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen.

Im Reisejahr 2025 wurden 19 Prozent aller Urlaubsreisen und 21 Prozent der Kurzurlaubsreisen in Begleitung von Kindern unternommen.¹ Familienreisen bilden damit einen bedeutenden Teil des deutschen Reisemarktes.

Gleichzeitig wächst der Markt für Wellnessreisen.

Nach Daten des Global Wellness Institute wurden 2024 allein in Europa rund 348,4 Millionen Wellnessreisenunternommen. Weltweit erreichten die Ausgaben für Wellness-Tourismus im selben Jahr rund 893,9 Milliarden US-Dollar. Für die Jahre bis 2029 erwartet das Institut für diesen Bereich ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 9,1 Prozent.²

Für Hotels sind damit beide Zielgruppen attraktiv.

Das Problem beginnt dort, wo ihre Bedürfnisse aufeinandertreffen.

Während Eltern im Familienurlaub häufig gerade nach Angeboten suchen, bei denen sich ihre Kinder frei bewegen können, basiert das klassische Wellnessversprechen auf Ruhe, Entschleunigung und Rückzug.

Ein Kind, das begeistert zum zehnten Mal eine Wasserrutsche hinunterfährt, macht also nicht zwangsläufig etwas falsch. Der Erwachsene, der wenige Meter entfernt Ruhe erwartet, ebenso wenig.

Die Frage ist vielmehr:

Kann ein Hotel beide Erwartungen gleichzeitig erfüllen?

Eine Tür allein reicht nicht

Im Tratterhof lautet die Antwort darauf: nur dann, wenn die Trennung wesentlich früher beginnt.

„Eine einfache Tür würde aus unserer Sicht nicht ausreichen“, erklärt Hannes Weissteiner aus Management und Marketing des Hotels. Wegeführung, Aufenthaltsbereiche, Akustik und Nutzung müssten bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Der Tratterhof verfügt dabei über einen baulichen Vorteil.

Die Family Area befindet sich im Ostflügel des Hauses und erstreckt sich über zwei Etagen. Der Adults-only-Wellnessbereich liegt dagegen im Westflügel und verteilt sich dort auf mehrere Ebenen. Familien und Gäste, die bewusst Ruhe suchen, bewegen sich dadurch innerhalb des Hotels weitgehend in unterschiedlichen Bereichen.

Auch verschiedene Restaurant- und Aufenthaltsbereiche sollen dabei helfen, die Bedürfnisse beider Gruppen voneinander zu entkoppeln.

Damit wird aus einer vermeintlich einfachen Zielgruppenfrage eine architektonische.

Und tatsächlich beschäftigt sich auch die Wissenschaft mit genau diesem Aspekt.

Eine 2025 in der Fachzeitschrift Buildings veröffentlichte Untersuchung zur Architektur von Spa- und Wellnessbereichen europäischer Hotels kommt zu dem Ergebnis, dass deren räumliche Struktur erheblichen Einfluss auf den gesamten Hotelbetrieb hat. Nicht nur Größe und Ausstattung eines Spa-Bereichs spielen demnach eine Rolle, sondern auch dessen Lage innerhalb des Gebäudes, funktionale Aufteilung und Wegeführung.⁴

Die Untersuchung unterscheidet unter anderem kompakte und räumlich verteilte Spa-Strukturen und zeigt, dass gerade bei komplexeren Angeboten eine bewusste räumliche Aufteilung funktionale Vorteile haben kann.⁴

Oder einfacher gesagt:

Ruhe lässt sich nicht erst an der Saunatür organisieren.

Familienparadies ©Andreas Marini Tratterhof
Familienparadies ©Andreas Marini Tratterhof

4.000 Quadratmeter – aber nicht für alle gemeinsam

Beim Tratterhof wird diese Idee inzwischen auf erheblicher Fläche umgesetzt.

Der Monte Silva Mountain Spa erstreckt sich nach Angaben des Hotels über rund 4.000 Quadratmeter auf vier Stockwerken. Die Wellnesslandschaft umfasst unterschiedliche Sauna-, Pool- und Ruhebereiche und trennt Angebote für Familien von Bereichen, die ausschließlich Erwachsenen vorbehalten sind.⁶

2025 wurde insbesondere das Angebot für Familien deutlich erweitert.

Die neue Family Area umfasst unter anderem einen Baby-Pool, einen Teeny Fun Pool mit Basketballkorb sowie die beiden Wasserrutschen T-Wave und T-Tornado. Die Erweiterung wurde im Oktober 2025 eröffnet.⁶

Bemerkenswert daran ist weniger die einzelne Attraktion als die grundsätzliche Entscheidung dahinter.

Der Tratterhof versucht nicht, Kinder in einen bestehenden klassischen Wellnessbereich zu integrieren und anschließend Regeln aufzustellen, damit sich möglichst niemand gestört fühlt.

Stattdessen bekommen sie ihre eigene Urlaubswelt.

Familien sollen ihren Urlaub genießen können, ohne ständig darauf achten zu müssen, besonders leise zu sein. Gleichzeitig sollen Gäste, die bewusst Ruhe suchen, entsprechende Rückzugsorte finden. Genau diese Trennung bezeichnet das Hotel selbst als wesentlichen Bestandteil des Konzeptes.

Das verändert die Perspektive.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, wie ruhig Kinder in einem Wellnesshotel sein müssen, sondern wie ein Hotel gestaltet werden muss, damit Kinder eben nicht ständig ruhig sein müssen.

Neugestalteter Eingangsbereich ©Andreas Marini Tratterhof
Neugestalteter Eingangsbereich ©Andreas Marini Tratterhof

Warum dann nicht gleich Adults only?

Die scheinbar einfachere Lösung läge auf der Hand: Wer Ruhe versprechen möchte, könnte Kinder konsequent ausschließen.

Adults-only-Hotels haben sich längst als eigenes Segment etabliert. Doch der Tratterhof hat sich bewusst gegen diese Positionierung entschieden.

Das Haus solle weder zu einem klassischen Familienhotel noch zu einem reinen Adults-only-Hotel werden, erklärt Weissteiner. Die Struktur des Hotels ermögliche es stattdessen, unterschiedliche Urlaubswelten räumlich klar voneinander zu trennen.

Dahinter steckt noch ein weiterer Gedanke.

Hotels begleiten ihre Gäste mitunter über viele Jahre. Ein Paar, das heute zu zweit einen Wellnessurlaub verbringt, kann einige Jahre später mit Kindern anreisen – und später wieder ohne sie.

Für einen familiengeführten Ferienbetrieb kann es deshalb interessant sein, nicht nur eine einzelne Zielgruppe, sondern unterschiedliche Lebensphasen seiner Gäste abzudecken.

Dass Familien und Wellness inzwischen ohnehin nicht mehr zwingend als Gegensätze betrachtet werden, zeigt auch die internationale Wellnessbranche.

Das Global Wellness Institute führte bereits für 2024 Wellnessurlaub mit Kindern als einen seiner Tourismustrends auf. Familien suchten demnach zunehmend Reisen, bei denen Wohlbefinden, gemeinsame Erlebnisse, Lernen und kindgerechte Aktivitäten miteinander verbunden werden.³

Genussvolle Momente an der Bar ©Andreas Marini Tratterhof
Genussvolle Momente an der Bar ©Andreas Marini Tratterhof

Und was sagen die bisherigen Gäste?

Eine Erweiterung des Familienangebotes birgt für ein etabliertes Wellnesshotel allerdings ein Risiko.

Wer über Jahre ein bestimmtes Publikum aufgebaut hat, verändert mit neuen Zielgruppen möglicherweise auch die Wahrnehmung des Hauses.

Eine grundsätzliche Sorge in diese Richtung habe man bei den Gästen bislang nicht wahrgenommen, sagt Weissteiner.

Ein wichtiger Grund sei, dass mit dem Umbau die Zahl der Unterkünfte nicht erhöht worden sei. Es befinden sich also nicht plötzlich wesentlich mehr Gäste im Hotel. Stattdessen wurden vorhandene Flächen und Angebote qualitativ weiterentwickelt.

Nach Angaben des Hauses hätten sowohl Familien als auch klassische Wellnessgäste positiv auf die Erweiterungen reagiert.

Für langjährige Gäste ohne Kinder sei entscheidend gewesen, dass sich ihr persönliches Urlaubserlebnis nicht verschlechtert habe. Familien wiederum hätten insbesondere Funpool, Rutsche und zusätzliche Familienbereiche angenommen.

Das sind zunächst allerdings Erfahrungen des Hotels selbst.

Ob sich durch die 2025 eröffnete Family Area auch die Zusammensetzung der Gäste, Aufenthaltsdauer oder Buchungsverteilung messbar verändert hat, lässt sich nach Aussage des Managements noch nicht eindeutig feststellen.

Das Hotel verweist darauf, dass Buchungsverhalten gleichzeitig von Ferienzeiten, wirtschaftlicher Entwicklung, kurzfristigeren Buchungen und allgemeinen Veränderungen der Reisegewohnheiten beeinflusst werde. Eine Entwicklung ausschließlich dem neuen Familienangebot zuzuschreiben, wäre deshalb zu einfach.

Eine bemerkenswert vorsichtige Antwort – und wahrscheinlich die realistischere.

Zwei Urlaubswelten kosten Fläche und Geld

Was aus Gästesicht komfortabel klingt, ist aus Sicht eines Hoteliers zunächst aufwendig.

Zwei Poolwelten, unterschiedliche Saunen, getrennte Aufenthaltsbereiche und eine Architektur, die verschiedene Gästeströme berücksichtigt, benötigen Platz und Investitionen.

Genau hier dürfte eine der größten Grenzen eines solchen Konzeptes liegen.

Der Tratterhof argumentiert allerdings, dass räumliche Trennung nicht zwangsläufig bedeuten müsse, sämtliche technische Infrastruktur doppelt vorzuhalten.

Technische Anlagen könnten teilweise gemeinsam genutzt werden. Das Hotel nennt beispielsweise Wärmerückgewinnung, erneuerbare Energien und miteinander verbundene technische Kreisläufe. Während die Gästebereiche räumlich getrennt sind, können Teile der dahinterliegenden Infrastruktur gemeinsam funktionieren.

Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, ist wirtschaftlich aber entscheidend.

Denn die wichtige Frage für andere Hoteliers dürfte kaum sein, ob ein eigener Kinderpool schön wäre.

Sondern:

Sind genügend Fläche, Investitionsvolumen und bauliche Voraussetzungen vorhanden, um zwei unterschiedliche Angebote so konsequent voneinander zu trennen, dass beide tatsächlich funktionieren?

Genau deshalb lässt sich das Modell auch nicht ohne Weiteres auf jedes Haus übertragen.

Das ueberwaeltigende Panorama im Winter geniessen © Guenter Standl Tratterhof
Das ueberwaeltigende Panorama im Winter geniessen © Guenter Standl Tratterhof

Von der 16-Zimmer-Pension zum Mountain Sky Hotel

Hinzu kommt, dass der heutige Tratterhof nicht am Reißbrett als großes Resort entstanden ist.

Die Geschichte des Hauses führt von einer kleinen Pension mit 16 Zimmern Schritt für Schritt zum heutigen umfangreichen Wellnesshotel.

Mit dem Haus seien dabei sowohl die Ansprüche der Gäste als auch die eigenen Ansprüche der Betreiber gewachsen, erklärt das Management. Entscheidend sei heute nicht allein die Größe oder die nächste Attraktion, sondern das Zusammenspiel aus Architektur, Wellness, Kulinarik, Service, Naturerlebnis und Gastgeberqualität.

Interessant ist deshalb, dass diese Entwicklung nicht in einer immer stärkeren Spezialisierung auf nur eine Zielgruppe mündete.

Stattdessen versucht das Hotel heute, breiter zu werden – allerdings ohne alle Gäste überall miteinander zu vermischen.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Denn ein Hotel, das möglichst viele Zielgruppen anspricht, läuft schnell Gefahr, für niemanden mehr wirklich passend zu sein.

Das Tratterhof-Modell versucht dieses Problem räumlich zu lösen.

Panoramasuite Dolomites ©Andreas Marini Tratterhof
Panoramasuite Dolomites ©Andreas Marini Tratterhof

Können Familienhotel und Wellnessrefugium also gleichzeitig funktionieren?

Die Antwort lautet wahrscheinlich:

Ja – aber nicht automatisch.

Eine bereits online verfügbare Forschungsnotiz im International Journal of Hospitality Management liefert dazu einen interessanten Blickwinkel.

Für die Untersuchung wurden 90.045 englischsprachige TripAdvisor-Bewertungen von 72 internationalen familienorientierten Resorts ausgewertet.⁵

Die Analyse zeigt, dass die Erwähnung beziehungsweise Anwesenheit von Kindern beeinflusst, nach welchen Kriterien Gäste ihren Aufenthalt bewerten.⁵

Die Autoren werfen damit auch die grundsätzliche Frage auf, ob Adults-only-Konzepte teilweise eine vergleichsweise einfache Antwort auf eine schwierigere Managementaufgabe darstellen: unterschiedliche Gästesegmente sinnvoll innerhalb eines Resorts zu organisieren.⁵

Der Tratterhof liefert darauf seine eigene Antwort.

Nicht alle Gäste müssen dasselbe wollen.

Sie müssen auch nicht dieselben Bereiche benutzen.

Entscheidend ist vielmehr, dass ein Hotel genau weiß, welche Bedürfnisse miteinander vereinbar sind – und wo sie voneinander getrennt werden müssen.

Hannes Weissteiner bringt das am Ende erstaunlich bodenständig auf den Punkt. Neben Studien, Trends und Konzepten dürfe auch der „gesunde Hausverstand“ nicht vergessen werden.

Hoteliers sollten sich fragen, was sie selbst im Urlaub erwarten würden, was sie stören würde und was eine Familie beziehungsweise ein ruhesuchender Wellnessgast tatsächlich benötigt.

Gleichzeitig müsse ein Hotel sehr genau wissen, wofür das eigene Haus steht. Nicht jedes Konzept funktioniere an jedem Standort und nicht jedes Hotel müsse jede Zielgruppe bedienen.

Vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied.

Nicht jedes Hotel muss jede Zielgruppe bedienen.

Wer es dennoch versucht, sollte Familien und Ruhesuchende nicht einfach nebeneinander unterbringen und hoffen, dass es funktioniert.

Im Tratterhof beginnt die Antwort deshalb nicht bei einer Hausordnung.

Sondern beim Grundriss.

Quellen

Für diesen Artikel wurden Brancheninformationen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und eigene redaktionelle Quellen ausgewertet.

  1. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (FUR)
    Reiseanalyse – Familienurlaub / Urlaubsreisen mit Kindern. Angaben zum Anteil der Urlaubs- und Kurzurlaubsreisen mit Kindern im Reisejahr 2025.
  2. Global Wellness Institute (2025)
    Global Wellness Economy Monitor 2025. Daten zur Entwicklung des internationalen Wellness-Tourismus und zu den Wachstumsprognosen bis 2029.
  3. Global Wellness Institute (2024)
    Wellness Tourism Initiative Trends for 2024. Trendbericht unter anderem zu familienorientierten Wellnessreisen.
  4. Gronostajska-Kadecka, Joanna Anna (2025)
    Spa and Wellness Zones in Contemporary Hotels in Europe: Typologies. Buildings 15(6), 952. DOI: 10.3390/buildings15060952
  5. Grande, Kevin; Galan, Jean-Philippe; Séraphin, Hugues
    Adult-only: When excluding children reveals a flaw in hospitality management approach. International Journal of Hospitality Management, Volume 141, Artikel 104904. DOI: 10.1016/j.ijhm.2026.104904
  6. Tratterhof Mountain Sky Hotel
    Informationen zum Monte Silva Mountain Spa und zur 2025 eröffneten Family Area.
Eigene redaktionelle Quelle: Schriftliches Interview mit Hannes Weissteiner, Management & Marketing, Tratterhof Mountain Sky Hotel, Oktober 2026.